Forschungsstellen
Große Bereiche der griechischen Literatur der Antike sind nur in mehr oder weniger umfangreichen Fragmenten erhalten. Dies gilt insbesondere für die Gattung Komödie, deren Bild maßgeblich durch die beiden Autoren bestimmt ist, von denen ganze Stücke erhalten sind: Aristophanes (5./4. Jh. v. Chr.) und Menander (3./2. Jh. v. Chr.).
In dem Forschungsprojekt wird durch die Kommentierung der fragmentarisch erhaltenen Komödienautoren – unter Einbeziehung der Fragmente des Aristophanes und Menander – literaturgeschichtliches Neuland gewonnen und der bisher eher einseitige Blick auf eine zentrale Gattung der europäischen Literatur korrigiert und ergänzt.
Ziel der Kommentare ist es, einerseits die in der Regel schwierig zu verstehenden Texte unter allen möglichen Gesichtspunkten zu erschließen, andererseits, wo dies möglich ist, eine Rekonstruktion der Stücke zu versuchen und eine literaturgeschichtliche Einordnung der Autoren vorzunehmen. Die Fragmente und Testimonien werden ins Deutsche übersetzt. Die in den Kommentaren erzielten Ergebnisse sollen in allgemeine Studien einfließen: zur Komik und komischen Techniken wie Parodie, Satire sowie zur politischen Funktion. Das Projekt ist international vernetzt und arbeitet mit Zentren zur Erforschung der fragmentarisch erhaltenen griechischen Literatur in Italien, Großbritannien und den USA zusammen.
Portal der Forschungsstelle auf der Seite der Universität Freiburg
Akropolis von Athen
Das Projekt ‚KomFrag‘ wurde 2011 in das Akademienprogramm aufgenommen und hat eine geplante Laufzeit von 15 Jahren. Damit wird eine Lücke im Verständnis der Literatur aus der klassischen Antike – und somit zur Bildungsgeschichte – ein Stück weit geschlossen.
Große Bereiche der griechischen Literatur – insbesondere der archaischen, klassischen und hellenistischen Zeit – sind nicht durch vollständig erhaltene Texte, sondern durch Fragmente bezeugt. Dies gilt nicht nur – um einige signifikante Beispiele zu nennen – für die vorsokratische und hellenistische Philosophie oder die frühe Lyrik, sondern auch für das Drama. Dies bedeutet, dass eine Darstellung der Geschichte der griechischen Literatur ohne Einbeziehung der fragmentarisch erhaltenen Texte nicht möglich ist und selbst ein Fragment bleiben muss.
Im Gegensatz zur griechischen Tragödie verfügen wir bei der Komödie über eine enorme Zahl von Testimonien und Fragmenten von über 200 Autoren, die zwar inzwischen in der monumentalen Ausgabe der Poetae Comici Graeci (hrsg. von R. Kassel und C. Austin) ediert sind, aber immer noch darauf warten, wissenschaftlich erschlossen zu werden. In dem Forschungsprojekt wird durch die Kommentierung der fragmentarisch erhaltenen Komödienautoren literaturgeschichtliches Neuland betreten und der bisher eher einseitige Blick auf eine zentrale Gattung der europäischen Literatur korrigiert werden.
Ziel der Kommentare ist es, einerseits die in der Regel schwierig zu verstehenden Texte unter verschiedenen Gesichtspunkten (philologisch-literaturgeschichtlich, archäologisch, historisch) zu erschließen, und andererseits, wo dies möglich ist, eine Rekonstruktion der Stücke selbst zu versuchen wie auch eine literaturgeschichtliche Einordnung der Autoren vorzunehmen.
Insgesamt sind uns 8501 Komödienfragmente von 253 namentlich bekannten Dichtern bekannt. Hinzu kommt eine beträchtliche Anzahl an Zeugnissen zu Leben und Werk der Dichter selbst. Ein Großteil der Fragemente stammt aus dem 5. Jh. v.Chr. und ist den Dichtern Kratinos, Aristophanes und Eupolis zuzuordnen. Als weitere gut bezeigte Autoren sind Pherekrates, Theopamp oder Hermippos zu nennen. Ähnlich gut ist die Quellenlage für das 4. Jh. v.Chr., wo vor allem Antiphanes und Alexis durch eine große Zahl von Fragmenten belegt sind. Aus hellenistischer Zeit (Ende 4. Jh. – 1. Jh. v. Chr.) ist in erster Linie Menander, etwa durch die Papyrusfunde des ausgehenden 19. Jhds, aber auch durch zahlreiche Fragmente gut bezeugt. Andere Autoren dieser Epoche sind beispielsweise Philemon oder Diphilos.
Das Projekt ist in erster Linie philologisch ausgerichtet. Aufgrund der Besonderheit der Komödientexte ist allerdings eine enge Zusammenarbeit mit der Alten Geschichte und Archäologie erforderlich. Als erstes Ergebnis der Kooperation mit Archäologen der Universität Würzburg ist eine Archaeologia comica in Planung, in der lexikonartig die in den Komödien und Komödienfragmenten beschriebenen Realien zusammengestellt werden. Ein weiteres Projekt ist das Onomastikon comicum, eine Zusammenstellung aller in den Komödien erwähnten Personen, die als Arbeitsgrundlage für althistorische und onomastische Forschungen dienen soll. Literatur- und kulturwissenschaftliche Interessen werden durch Untersuchungen zu Formen der Komik, bildungs- und rezeptionsgeschichtliche Aspekte durch die Beschäftigung mit der Überlieferung und den spezifischen Überlieferungsträgern von Komödientexten abgedeckt.
Das Projekt ist ausdrücklich darauf angelegt, externe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu gewinnen. Derzeit gibt es 21 externe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Großbritannien, Italien, USA und Griechenland. Die Zahl der Anfragen nimmt kontinuierlich zu. Workshops und Tagungen tragen zur internationalen Bekanntheit des Forschungsprojekts bei. Die internationale Vernetzung wird vor allem durch den hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Beirat deutlich, bestehend aus den Professoren Glenn W. Most (Pisa), Heinz-Günther Nesselrath (Göttingen), S. Douglas Olson (University of Minnesota), Alan H. Sommerstein (Nottingham) und Antonios Rengakos (Thessaloniki).
Dionysos-Theater, Athen
Die Bände sind fünf Jahre nach der Publikation im open access zugänglich unter:
https://digi.hadw-bw.de/view/frc
Die Indices der erschienenen Bände finden sich unter:
https://www.komfrag.uni-freiburg.de/frc_baende-und-indices/indices
Ein alphabetisches Register der Indices aller Bände ist in Arbeit.
Gefördert durch den Innovationsfonds der Albert-Ludwigs-Universität wurde auf der Basis der Indices der bisher erschienenen Bände eine Datenbank erstellt, die die in der griechischen Komödie erwähnten Realien zum Inhalt hat.
Zugänglich unter: https://www.altphil.uni-freiburg.de/LGgK.html
Neben der Auszeichnung im XML/TEI-Format ist die Erstellung von bandübergreifenen Indices zur besseren Erschließung und Handhabung ein großes Anliegen der Forschungsstelle. Erste Ergebnisse dieser Arbeiten werden im kommenden Jahr hier präsentiert werden können.
Prof. Dr. Bernhard Zimmermann
2019
FrC 21: Timokles, von Kostas Apostolakis
FrC 16.1: Alkenor – Asklepiodo]ros, von Giulia Tartaglia
FrC 2: Krates, von Serena Perrone
Rezensionen: D. Anderson in: ClR 70 (2020) 1f. || M. Pellegrino in: BMCR 2021.03.56
2018
FrC 3.6: Kratinos fr. 299–514, von S. Douglas Olson & Ryan Seaberg
FrC 10.11: Aristophanes fr. 821–976, von A. Bagordo
2017
FrC 3.1: Kratinos, Einleitung und Testimonina, von Francesco-Paolo Bianchi
FrC 10.10: Aristophanes, Inc. Fab. fr. 675–825, von Andreas Bagordo
FrC 10.3: Aristophanes, Aiolosikon–Babylonioi, von Christian Orth
FrC 6: Hermippos, von Nicola Comentale
FrC 8.1: Eupolis, Einleitung, Testimonia und Aiges–Heilotes, von S. Douglas Olson
FrC 12: Archippos, von Elisabetta Miccolis
2016
FrC 3.2: Kratinos, Archilochoi – Empipramenoi, von Francesco-Paolo Bianchi
FrC 8.2: Eupolis, Kolakes – Chrysoun Genos, von S. Douglas Olson
FrC 10.9: Aristophanes, fr. 590–674, von Andreas Bagordo
FrC 20: Amphis, von Athina Papachrysostomou
2015
FrC 17: Anaxandrides, von Benjamin Millis
Rezensionen: T. Gargiulo in: Anzeiger für die Altertumswissenschaft 69 (2016): 87–92.
FrC 9.3: Nikochares – Xenophon, von Christian Orth
Rezensionen: M. Napolitano in: Anzeiger für die Altertumswissenschaft 69 (2016): 98–104.
2014
FrC 1.1: Alkimenes – Kantharos, von Andreas Bagordo
Rezensionen: I. C. Storey in: BMCR 2015.01.15 || Ruffel, I. in: Anzeiger für Altertumswissenschaften 69 (2016): 10–13
FrC 9.2: Aristomenes – Metagenes, von Christian Orth
Rezensionen: S. E. Kidd in: Anzeiger für Altertumswissenschaften 68 (2015): 178–180.
FrC 7: Phrynichos, von Felice Stama
Rezensionen: G. Mancuso in: BMCR 2015.11.10|| F. Conti Bizzarro in: Lexis 35 (2017): 450–454.
FrC 8.3: Eupolis, Incertarum Fabularum Fragmenta et Dubia
Rezensionen: M. Napolitano in QS 87 (2018): 279–306.
FrC 1.2: Leukon – Xenophilos, von Andreas Bagordo
2013
FrC 15: Nikophon, von Matteo Pellegrino
Rezensionen: I. Rodríguez Alfageme in: CFC (g) 24 (2014): 395–6 || G. Mancuso in: BMCR 2014.04.40 || St. Novelli in: Lexis 32 (2014): 475–78 || M. Pinto in: QS 82 (2015): 259–61 || F. Zogg in: Gnomon 87 (2015): 684–8 ||
FrC 4: Telekleides, von Andreas Bagordo
FrC 9.1: Alkaios – Apollophanes, von Christian Orth
Rezensionen: E. Chepel in: BMCR 2014.07.34
Vollständige Publikationsliste
Bernhard Zimmermann (Hrsg.), 2500 Jahre Komödie (Studia comica 8). Heidelberg 2017.
Federico Favi, Fliaci: Testimonianze e frammenti (Studia Comica 7). Heidelberg 2017.
Stylianos Chronopoulos, Spott im Drama: dramatische Funktionen der persönlichen Verspottung in Aristophanes' Wespen und Frieden. (Studia comica 6), Heidelberg 2017.
Stylianos Chronopoulos & Christian Orth (Hrsgg.), Fragmente einer Geschichte der griechischen Komödie. (Studia Comica 5). Heidelberg 2015.
Michele Napolitano, I Kolakes di Eupoli: introduzione, traduzione, commento. (Studia comica 4). Mainz 2012.
Silvio Schirru, La favola in Aristofane. (Studia comica 3). Berlin 2009.
Christian Orth, Strattis. Die Fragmente. Ein Kommentar (Studia Comica 2). Berlin 2009.
Serena Pirrotta, Plato Comicus, Die fragmentarischen Komödien. Ein Kommentar (Studia Comica 1). Berlin 2009.
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Seminar für Griechische und Lateinische Philologie
Universität Freiburg
Platz der Universität 3
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bernhard.zimmermann [at] altphil.uni-freiburg.de
Dr. Francesco Paolo Bianchi