Ein Projekt stellt sich vor

Steine, Knochen, Ascheschichten – die oft wenig eindrucksvollen Hinweise auf „die Rolle der Kultur in frühen Expansionen der Menschheit“ können aus vielen Perspektiven befragt und interpretiert werden. Die Forschungsstelle ROCEEH (The role of culture in early expansions of humans) wählt dafür zum einen theoretische Ansätze und fragt, wie sich die Möglichkeiten für kulturelles Verhalten und dessen extreme Ausweitung in über drei Millionen Jahren Menschheitsgeschichte entwickelt haben. Zum anderen nähert sie sich empirisch den kulturellen Ausdrucksformen, die sich in archäologischen Hinterlassenschaften wie Werkzeugen, künstlerischen Darstellungen und spezifischen Ressourcennutzungen niederschlagen. Zum dritten testet sie in Modellierungen Wechselwirkungen zwischen räumlichen, kulturellen und Umweltveränderungen.

 

ROAD Fundstellen
Fundstellen (2017) mit Daten zu Geographie, Stratigraphie, Datierung, Archäologie, Paläoanthropologie, Paläoökologie, Bibliogr.

 

Zentral ist dabei die ROAD (ROCEEH Out of Africa) Datenbank. Sie umfasste im April 2017 1.621 Lokalitäten und 6.655 Inventare und wird ständig erweitert. Auf der Grundlage der in ROAD enthaltenen Daten rekonstruieren Mitarbeiter von ROCEEH aktuell u.a. die frühe Entwicklung der Nutzung von Ocker und seiner kulturellen Bedeutung in Afrika sowie die kulturellen Unterschiede zwischen Neandertalern während einer ausgeprägten Kaltzeit bzw. Warmzeit. Ein weiteres Projekt verfolgt die Entwicklung eines besonderen sozialen Phänomens, der Hyperplastizität, die auf der Grundlage von gesteigerter Kooperation und Spezialisierung neue Wege der kulturellen Differenzierung in den letzten 100.000 Jahren eröffnete.