Kulturelle Grundlagen der Europäischen Einigung
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Die Einigung Europas ist durch weitreichende kulturelle Gemeinsamkeiten, aber auch durch konkurrierende Problemlösungen der sozialen und politischen Systeme der Mitgliedsländer geprägt. Die einzelnen Projekte beleuchten einige unmittelbare und mittelbare Grundlagen des Einigungsprozesses.
Das gemeinsame Abschlusssymposium "Kulturelle Grundlagen der europäischen Einigung" (PDF) fand am 5. - 6. Mai 2008 in Heidelberg statt.
Gefördert durch

Legitimität einer Europäischen Verfassung unter den Bedingungen nationaler Verfassungstraditionen
Fragen der horizontalen und vertikalen Gewaltenteilung am Beispiel von Gesetzgebung und Finanzverfassung
Ziel des Vorhabens war eine interdisziplinär angelegte Untersuchung der Frage, wie eine europäische Verfassung im Spannungsfeld nationaler Verfassungstraditionen ausgestaltet und legitimiert werden kann und welche materiale Ausgestaltung einer europäischen Verfassung sich unter dem Gesichtspunkt der Legitimität anbietet. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass die europäische Verfassungsdiskussion trotz vielfältiger Bemühungen nur wenige Konsenspositionen zu verzeichnen hat, wobei bisher kaum interdisziplinäre Forschungsergebnisse zu diesem Thema vorlagen. Insofern war die Legitimationsfrage in allen vorherigen Revisionen der europäischen Verträge offen gelassen worden. Das Projekt hatte zwei zentrale Problemstellungen im Rahmen der Erstellung einer gemeinsamen Verfassung durch den Europäischen Konvents: die Frage der Gesetzgebung und die Frage der Finanzverfassung. Damit sollte der grundlegende Aspekt der Legitimation der Europäischen Union adressiert und daraus konkrete Vorschläge für eine Organisation der Gesetzgebung und der Finanzverfassung der Europäischen Union hergeleitet werden.
Im Projekt entstandene Publikationen:
- Petersson, Niels P. mit Jochum, Georg/Schröder, Wolfgang M./Ullrich, Katrin (Hg.) (2007): Von der Volkssouveränität zur Völkersouveränität – Legitimationsgrundlagen einer europäischen Verfassung. Berlin: Duncker & Humblot.
- Ullrich, Katrin/Petersson, Niels P. (2004): Die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank im historischen und ökonomischen Kontext.
- Schröder, Wolfgang M. (2004): Mischlegitimation als Lösung - Die europapolitische Legitimationsfrage und der Konventsentwurf eines Europäischen Verfassungsvertrags.
- Jochum, Georg/Ohletz, H. (2004): Grundlagen und Gestaltungen einer legitimen Finanzverfassung einer Europäischen Union.
- Ullrich, Katrin/Heinemann, F. (2004). The Impact of EMU on Inflation Expectations.
Im Projekt organisierte Tagungen, Workshops, Seminare:
"Von der Volkssouveränität zur Völkersouveränität. Legitimationsgrundlagen einer europäischen Verfassung" PDF) (29.-30.6.2005, Heidelberg)
KollegiatInnen:
- Prof. Dr. Georg Jochum
- Prof. Dr. Niels P. Petersson
- Prof. Dr. Wolfgang M. Schröder
- Dr. Katrin Ullrich
Welterschließung im Spannungsfeld zwischen symbolischer und universalisierter Rationalität
Die Frage nach den kulturellen Grundlagen Europas ist aktueller denn je, vergegenwärtigt man sich beispielsweise die Diskussion um das Verhältnis der islamisch geprägten Türkei zum europäischen Kulturraum. Dessen spezifische Gemeinsamkeiten nehmen ihren Ausgang jedoch keineswegs erst im Zeitalter der Aufklärung, sondern wurzeln zumindest im beginnenden Hochmittelalter, in der Formierungsphase Europas, und sollten im Projekt unter dem Begriff einer eigentümlich europäischen Rationalität untersucht werden. Das Projekt basierte auf der These, dass europäisches Denken und mithin die europäische Kultur von einer beispiellosen Diskursivität gekennzeichnet sind, die sich heute etwa in institutionellen Besonderheiten widerspiegelt (z.B. der Trennung und zugleich Verschränkung von Staat und Kirche in ihren diversen Ausprägungen). Das zunehmende Auseinanderfallen einzelner Wirklichkeitsbereiche ist eine Entwicklung, die sich spätestens seit dem 10. Jahrhundert und seither in steigendem Maße beobachten lässt. Ihr entspricht die damit einhergehende wachsende Problematik, dem einzelnen Menschen Orientierung in der Welt zu bieten. Im Rahmen des Projektes sollte untersucht werden, ob sich die postulierte Entwicklung im historischen Kontext auf einer möglichst breiten und repräsentativen Quellenbasis nachweisen lässt. Auf dieser Grundlage sollte zum andern deren Bedeutung für die Stiftung einer gemeineuropäischen Identität sowie für eine besondere europäische Verfasstheit überprüft werden.
Im Projekt entstandene Publikation:
Rychterová, Pavlína/Seit, Stefan/Veit, Raphaela (Hg.) (2008): Das Charisma – Funktionen und symbolische Repräsentationen: Historische, philosophische, islamwissenschaftliche, soziologische und theologische Perspektiven. Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften Band 2: Berlin.
Im Projekt organisierte Tagung:
Interdisziplinäre Fachtagung: "Das Charisma – Funktionen und symbolische Repräsentationen" (PDF) (18. - 20.11.2005, Heidelberg)
KollegiatInnen:
- Dr. Stefan Seit
- Dr. Pavlína Rychterová
- Dr. Raphaela Veit
Konstruktion von Vergangenheit als Raum des Politischen: Europa und das „historische Imaginäre”
Vor allem in Zeiten politisch gesellschaftlicher Veränderungen spielt die Konstruktion von Vergangenheit eine zentrale Rolle. Sei es als „Mythos“, erzählte „Geschichte“, „Geschichtswissenschaft“ oder als in „Orten“, Denkmälern, Bildern sedimentiertes „Gedächtnis“: die Vergegenwärtigung des Vergangenen gehört zu den zentralen kulturellen Praktiken, über die die Existenz politischer Entitäten, Legitimität, Interessen, Gegensätze konzeptualisiert, verteidigt, delegitimiert, bisweilen erst aktualisierbar und präsent werden lässt. Zentrales Thema dieses Projekts waren Europäische Erinnerungslogiken im Rahmen des Politischen und die damit verbundene, konkrete historisch-systematische Vielfalt bis in die Gegenwart hinein. Ziel war nicht die Formulierung einer neuen Theorie, sondern die Zusammenschau europäischer Vergangenheitskonstruktionen. Hierzu bearbeitete eine Kerngruppe aus einschlägigen Projekten, die überwiegend andere Quellen bezogen, das historische Imaginäre Europas in repräsentativen Schwellenzeiten von der Antike bis in die Gegenwart.
Im Projekt entstandene Publikationen:
- Mahlke, Kirsten/Bezner, Frank (Hg.) (2010): Zwischen Wissen und Politik. Archäologie und Genealogie frühneuzeitlicher Vergangenheitskonstruktionen. C. Winter, Heidelberg.
- Bezner, Frank (2007): Eine Genealogie der Vergangenheit zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit: der Fall Ferrara (ca. 1300-1600).
- Bezner, Frank (2007): Geschichte als Antihistorie. Johann Scheckmanns "Historia Excidii" und die Riesenbibel von St. Maximin.
Im Projekt organisierte Tagungen, Workshops, Seminare:
- Workshop: „Vergangenheit als imaginärer Diskurs?“ (9.-10.10.2003, Tübingen)
- Tagung: „Diesseits von Geschichte und Gedächtnis. Vormoderne Konstruktion
- als kulturwissenschaftliche Herausforderung“ (Februar 2004, in Kooperation mit dem Graduiertenkolleg Universität Köln)
- Tagung: „Reichweiten der Verständigung. Nationalisierung und Europäisierung intellektueller Kommunikation im 20. Jahrhundert“ (18.-19.2.2005, Konstanz)
- Tagung: "Zwischen Wissen und Politik. Archäologie und Genealogie frühneuzeitlicher Vergangenheitskonstruktionen" (PDF) (5.-7.4.2006, Heidelberg)
KollegiatInnen:
- PD Dr. Kirsten Mahlke
- Prof. Dr. Frank Bezner