Emotion und Interaktion: Empirische und theoretische Zugänge verschiedener Disziplinen

WIN-Konferenz
Call for Papers

Emotionen sind zentrale Bestandteile menschlicher Interaktion und prägen Wahrnehmung, Kommunikation sowie Entscheidungsprozesse in sozialen Kontexten. Gleichzeitig werden sie je nach disziplinärem Zugang unterschiedlich konzeptualisiert – etwa als psychophysiologische Prozesse (vgl. z. B. Damasio 2004; LeDoux 1998; Panksepp 1998), als sozial konstruierte Phänomene (vgl. z. B. Hochschild 2003; Papacharissi 2014; Turner & Stets 2005), als kommunikative Praktiken (vgl. z. B. Goodwin & Goodwin 2000; Mackenzie & Alba-Juez 2019) oder als kognitive Bewertungsmechanismen (vgl. z. B. Schutz & Pekrun 2007). Die WIN-Konferenz „Emotion und Interaktion: Empirische und theoretische Zugänge verschiedener Disziplinen“ lädt dazu ein, diese vielfältigen Perspektiven zusammenzuführen und einen interdisziplinären Dialog zu initiieren.

Während sich die Psychologie und die Neurowissenschaften vorrangig mit individuellen emotionalen Prozessen, deren kognitiver Bewertung sowie deren neuronalen und physiologischen Grundlagen befassen (siehe z. B. Damasio 2004; Feldman Barrett et al. 2018; Gross 2013), analysieren Soziologie und Kommunikationswissenschaft Emotionen als sozial situierte und interaktiv hervorgebrachte Phänomene (siehe z. B. Andersen & Guerrero 1996; Hochschild 2003; Weatherall & Robles 2021). Die Linguistik fokussiert sich demgegenüber auf die Analyse sprachlicher und multimodaler Praktiken, durch die Emotionen in Interaktionen ausgedrückt, zugeschrieben und ausgehandelt werden (siehe z. B. Mackenzie & Alba-Juez 2019; Polajnar 2012; Ruusuvuori 2013). Bildungswissenschaftliche und organisationsbezogene Forschungsansätze ergänzen diese Perspektiven um institutionelle und kontextuelle Rahmenbedingungen emotionaler Interaktion (siehe z. B. Pekrun & Linnenbrink-Garcia 2014; Reisenzein 2018).

Eine isolierte Betrachtung von Emotionen in Interaktionen innerhalb einzelner Disziplinen birgt die Gefahr, entweder die biologischen und kognitiven Grundlagen emotionaler Prozesse zu vernachlässigen oder deren soziale Hervorbringung und Kontextgebundenheit nicht ausreichend zu berücksichtigen. Die systematische Zusammenführung dieser Perspektiven ist für das Verständnis von emotionalen Dynamiken in Interaktionsprozessen unerlässlich. Diese Dynamiken sind in ihrer wechselseitigen Verschränkung von individuellen, interaktionalen und gesellschaftlichen Faktoren zu betrachten.

Die Konferenz richtet sich an Wissenschaftler:innen aus Psychologie, Soziologie, Linguistik, Kommunikationswissenschaft, Neurowissenschaften sowie angrenzenden Disziplinen, die sich mit der Erforschung von Emotionen in Interaktionszusammenhängen beschäftigen. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen sowohl theoretische Modellierungen von Emotionen in Interaktionszusammenhängen als auch empirische Untersuchungen aus diversen methodischen Traditionen sowie Beiträge, die unterschiedliche Analyseebenen miteinander in Beziehung setzen. 

Ein zentrales Anliegen der Konferenz ist es, den Austausch zwischen etablierten Forscher:innen und Nachwuchswissenschaftler:innen zu fördern. Letztere erhalten gezielt die Möglichkeit, ihre Projekte in einem interdisziplinären Umfeld zu präsentieren, konstruktives Feedback zu erhalten und wissenschaftliche Netzwerke aufzubauen. Hierfür sind spezielle Formate wie Postersessions und Round Tables vorgesehen, die Raum für Diskussionen zu Work-in-Progress-Projekten, methodischen Herausforderungen und Publikationsstrategien bieten.

Thematische Ausrichtung und Leitfragen

Die Konferenz lädt zu Beiträgen ein, die sich mit der theoretischen, empirischen oder anwendungsbezogenen Erforschung von Emotionen in Interaktionen auseinandersetzen. Dabei können folgende Fragen als Orientierung dienen: Wie werden Emotionen in den verschiedenen Disziplinen konzeptualisiert und wie lassen sich diese Ansätze sinnvoll integrieren? Welche Rolle spielen Emotionen in der Sprachverarbeitung, Kognition und Entscheidungsfindung und wie wirken sie sich auf soziale Dynamiken aus? Besonders ermutigt werden Beiträge, die interdisziplinäre Modelle entwickeln oder bestehende Ansätze aus Psychologie, Neurowissenschaften, Soziologie oder Linguistik miteinander in Beziehung setzen.

Auf empirischer Ebene sind Beiträge willkommen, die methodische Herausforderungen der Emotionsforschung thematisieren. Dazu zählen qualitative Verfahren wie Gesprächs- und Interaktionsanalyse, quantitative Designs wie experimentelle Studien oder Fragebogenuntersuchungen, aber auch innovative Ansätze wie multimodale Analysen oder die Auswertung digitaler Verhaltensdaten. Besonders erwünscht sind Studien, die neurowissenschaftliche, psychologische und linguistische Methoden kombinieren, um Emotionen in verschiedenen Kontexten – etwa in Bildung, Arbeitswelt, Medizin oder Mensch-Maschine-Interaktion – zu analysieren.

Darüber hinaus sind anwendungsbezogene Beiträge willkommen, die sich mit der Umsetzung von Emotionsforschung in der Praxis befassen. Wie wirken sich Emotionen auf institutionelle und organisatorische Prozesse aus und welche ethischen oder praktischen Implikationen ergeben sich daraus? Auch hier sind interdisziplinäre Ansätze besonders erwünscht, die Brücken zwischen Grundlagenforschung und angewandten Feldern schlagen.

Einreichung von Beiträgen

Zur Teilnahme an der Konferenz können Abstracts für Vorträge (20 Min. + 10 Min. Diskussion), Posterpräsentationen oder Round-Table-Diskussionen (ca. 40 Min.) eingereicht werden. Abstracts sollten maximal 500 Wörter umfassen und folgende Punkte enthalten: 

  • Art des Beitrags (Vortrag, Posterpräsentation, Round-Table-Diskussion)

  • Titel des Beitrags 

  • Autor:innen (Name, Institution, E-Mail) 

  • Forschungsfrage und theoretischer Rahmen 

  • Methodik (falls empirisch) 

  • erwartete Ergebnisse oder vorläufige Befunde 

  • Relevanz für die interdisziplinäre Emotionsforschung 

  • Round-Table-Diskussionen: ein:e Moderator:in und min. ein:e Expert:in sollten feststehen, die übrigen Teilnehmenden ergeben sich aus den Konferenzteilnehmenden; das Thema sollte umrissen und Leitfragen für die Diskussion sollten entwickelt werden; neben inhaltlichen Diskussionen bieten sich hier auch strukturellere Themen an (z. B. interdisziplinäre Kooperationen/Drittmittelprojekte, Nachwuchsförderung, Open Science etc.)

Die Einreichung erfolgt in Deutsch oder Englisch bis zum 21. März 2027 per E-Mail an emotion-win2027@ids-mannheim.de (Mail-Link) mit dem Betreff „Abstract WIN-Konferenz“. Über die Annahme der Beiträge wird bis zum 30. April 2027 informiert.

Die finale Version der angenommenen Beiträge für das Konferenzprogramm ist bis zum 30. Juni 2027 einzureichen. Zudem ist die Erstellung eines Sammelbandes oder einer Special Issue aus Konferenzbeiträgen geplant.

Kontakt

Für Rückfragen zur Konferenz oder zur Einreichung von Beiträgen steht Dr. Carolina Fenner (Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim) unter emotion-win2027@ids-mannheim.de (Mail-Link) zur Verfügung.

Datum: 22.–24. September 2027

Ort: Vortragssaal, Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Karlstr. 4, 69117 Heidelberg

Organisatorin: Dr. Carolina Fenner (externer Link), Leibniz IDS Mannheim