Epigraphische Datenbank römischer Inschriften (EDH)

Laufzeit: 1986 bis 2021

 

Seit 2022 ist die EDH über die Universität Heidelberg zugänglich. Dort ist sie über den Fachinformationsdienst Altertumswissenschaften Propylaeum (externer Link) abrufbar.

Die Aufgabe der Epigraphischen Datenbank Heidelberg (EDH) besteht in der systematischen Aufnahme der antiken lateinischen und bilinguen (dabei zumeist lateinisch-griechischen) Inschriften in einer komplexen Datenbank. Aufgrund ihrer interdisziplinär angelegen Konzeption und Arbeitsweise zählt sie zu den international führenden Datenbankvorhaben zur raschen Sammlung und zuverlässigen historischen Auswertung epigraphischer Zeugnisse. Die besonderen Merkmale der EDH liegen auf der regionalen Systematik, der beliebigen Kombinierbarkeit der gespeicherten Metainformationen und der wechselseitigen Verknüpfung der Epigraphischen Text-Datenbank (externer Link) mit den drei weiteren Teildatenbanken der EDH, der Epigraphischen Bibliographie (externer Link), der Epigraphischen Fotothek (externer Link) und der Epigraphischen Geographiedatenbank (externer Link).

Ihr Ziel liegt darin, die epigraphische Dokumentation der Provinzen des römischen Reiches bis zum Jahr 2020 (Laufzeitende des Projektes) so vollständig und zuverlässig wie möglich für Online-Recherchen zur Verfügung zu stellen. Auf Beschluss der Commissione epigrafia e informatica der AIEGL (externer Link) aus dem Jahr 2003 zur Errichtung der internationalen epigraphischen Datenbankföderation EAGLE (Electronic Archives of Greek and Latin Epigraphy) obliegt der EDH seitdem die Betreuung der Inschriften der römischen Provinzen, während die bis dahin über die EDH bereits erfassten Inschriften Italiens der Epigraphic Database Rome (EDR) (externer Link) zur weiteren Bearbeitung und Vervollständigung des Datenbestandes überlassen worden sind. Zweck der EAGLE-Föderation ist es, möglichst alle lateinischen und griechischen Inschriften der Antike nach einheitlichen Kriterien im Internet zugänglich zu machen. Die Gründung der EDR erfolgte zu diesem Zweck in enger Kooperation mit der EDH und nach deren Modell.

Mit der Fertigstellung der angestrebten Datenbank konnte das Projekt Ende 2021 erfolgreich abgeschlossen werden.

 

Das Konzept

Die Epigraphische Text-Datenbank (externer Link) ist das Herzstück der EDH und umfasst rund 81.000 Inschriften. Es handelt sich fast ausschließlich um bereits publizierte Texte, welche nicht nur in den großen – vielfach noch gültigen, aber modernen textkritischen Standards häufig nicht mehr genügenden – Inschriftencorpora ediert, sondern insbesondere auch in Tausenden von Fachartikeln veröffentlicht, revidiert und diskutiert worden sind. Texte und Metadaten der Inschriften werden somit vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstandes präsentiert. Zu den Grundprinzipien der Arbeitsweise der EDH zählt es, Lesungen nicht ungeprüft aus Editionen und anderer Sekundärliteratur zu übernehmen. Soweit möglich werden diese vielmehr mindestens anhand von Zeichnungen oder Fotos – letztere weitgehend auch aus den Beständen der Epigraphischen Fotothek –, idealerweise auch per Autopsie verifiziert und dem Nutzer über das Feld Bearbeitungsstand die genaue Verifikationsgrundlage angezeigt.

Die Bearbeitung der Inschriften für die Epigraphische Text-Datenbank stützt sich einerseits auf eine seit den Anfängen des Projekts stetig anwachsende umfangreiche Kartei, in der die in L' Année Épigraphique (externer Link) seit 1888 erfassten Publikationen systematisch gesammelt werden, andererseits gemäß dem regionalen Arbeitsprinzip der EDH auf die einschlägigen Corpora und Lokalpublikationen. Daneben unterhält die EDH einen regen Austausch mit in- und ausländischen Forschenden und Forschungseinrichtungen, um gerade deren spezielles, auch regional ausgeprägtes Profil im Rahmen externer Kooperation in die EDH einzubringen.

 

Zur Geschichte der EDH

Das Vorhaben wurde im Jahr 1986 von Géza Alföldy († 2011) mit einer Laufzeit von fünf Jahren im Rahmen des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Programms initiiert und ab 1991 von der Fritz-Thyssen-Stiftung (externer Link) weiter gefördert. Seit 1993 ist die EDH eine Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Aufgabe des Forschungsvorhabens ist die Aufnahme und Bearbeitung lateinischer und bilinguer (lateinisch-griechischer) Inschriften des Imperium Romanum in einer komplexen Datenbank und deren benutzerfreundliche Präsentation im Internet.

Die epigraphischen Dokumente werden in überprüfter Lesung und verbunden mit aktuell ca. 1,4 Mio. forschungsrelevanten Metadaten sowie mit Fotos dargeboten. Die EDH hat sich damit auf internationaler Ebene als Instrumentarium etabliert, das der repräsentativen Sichtung, Ergänzung und interdisziplinären Auswertung epigraphischer Zeugnisse dient.

Seit September 1997 wurde der Öffentlichkeit sukzessive die Inschriftendatenbank mit allen verfügbaren Informationen zu Inschrift und Inschriftträger über das Internet zugänglich gemacht. Seit 2004 kann auch die Epigraphische Bibliographie Heidelberg im Internet abgefragt werden. Seit 2007 steht der vollständige Bestand der Epigraphischen Fotothek Heidelberg mit den wichtigsten Angaben zu den abgebildeten Inschriften online zur Verfügung und ist mit den zugehörigen Datensätzen der Inschriftendatenbank verknüpft. Die exakte Lokalisierung der Fundorte wird über die Einträge der 2012 eingerichteten und mit der Inschriftendatenbank verlinkten Geographie-Datenbank gesteuert.

Unter der Obhut der Commissione epigrafia e informatica der AIEGL (Association Internationale d'Epigraphie Grecque et Latine) wurde 2003 der Beschluss zur Errichtung der internationalen epigraphischen Datenbankföderation EAGLE-europeana-Network erreicht. Derzeit wird neben der regulären Erweiterung des epigraphischen Datenbestandes zu den römischen Provinzen in der EDH an einem Konzept gearbeitet, die Nachnutzbarkeit der Daten und Infrastruktur durch den Einsatz offener Standards und Methoden der Digital Humanities zu gewährleisten.

 

Die Datenbanken der EDH

Sämtliche Datensätze der EDH sind frei über das Internet unter folgenden Links abrufbar:

Im Open Data Repository (externer Link) der Epigraphischen Datenbank Heidelberg stehen die Daten der EDH, den FAIR Prinzipien (externer Link) folgend, unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz (externer Link) zur Nachnutzung bereit.

Forschungsstellenleiter

Prof. Dr. Christian Witschel (externer Link)

 

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

 

Mitglieder der projektbegleitenden Kommission
  • Prof. Dr. Peter Eich (Freiburg)
  • Prof. Dr. Rudolf Haensch (München)
  • Prof. Dr. Tonio Hölscher (Heidelberg), Vorsitzender
  • Univ.-Prof. Dr. Marietta Horster (Mainz)
  • Prof. Dr. Willi Jäger (Heidelberg)
  • Prof. Dr. Anne Kolb (Zürich)
  • Prof. Dr. Frank Kolb (Tübingen)
  • Prof. Dr. Silvia Orlandi (Rom)
  • Prof. Dr. Bernhard Zimmermann (Freiburg), stellv. Vorsitzender

 

Aktuelle Veröffentlichungen
  • F. Grieshaber, Epigraphic Database Heidelberg – Data Reuse Options (Heidelberg 2019). DOI: 10.11588/heidok.00026599
  • F. Feraudi-Gruénais – J. Cowey – T. Gheldof – F. Grieshaber – A. Kurilić – P. Liuzzo, Report on the second Epigraphy.info workshop held in Zadar, December 14-16, 2018 (Department of History, University of Zadar) (Heidelberg 2019). DOI: 10.11588/heidok.00026330
  • F. Feraudi-Gruénais – F. Grieshaber, Empfehlungen für eine offene kollaborative Plattform für die antike Epigraphik - epigraphy.info / Recommendation for an open collaborative platform for ancient epigraphy - epigraphy.info (Heidelberg 2018). URN: urn:nbn:de:bsz:16-heidok-246746
  • F. Feraudi-Gruénais – F. Grieshaber – J. Cowey – J. Lougovaya-Ast, Report on the first epigraphy.info workshop in Heidelberg, March 21st-23rd, 2018 (Heidelberg 2018). DOI: 10.11588/heidok.00024397
  • F. Feraudi-Gruénais, … ubique naufragium …? Aspekte und Bedeutungen von Schiffsdarstellungen im Grab, II. Repertorium der Schiffsdarstellungen auf Grabdenkmälern der hellenistischen und römischen Zeit unter besonderer Berücksichtigung der Inschriften (Heidelberg 2017). https://books.ub.uni-heidelberg.de/propylaeum/catalog/book/77
  • F. Feraudi-Gruénais – R. Ludwig, Die Heidelberger Römersteine. Bildwerke, Architekturteile und Inschriften im Kurpfälzischen Museum (Heidelberg 2017).
  • F. Feraudi-Gruénais, Keine Interaktion! Bild-Text-Bezüge von Beischriften. Eine Standortbestimmung in fünf Punkten, in: Jahrbuch der a. r. t. e.s. Graduate School for the Humanities Cologne 2016/2017 (Köln 2017) 90 – 97. https://issuu.com/artesgraduateschool/docs/artes_jahrbuch_2016-17/92
  • F. Feraudi-Gruénais, Das synaktive Potential von Beischriften, in: I. Berti – K. Bolle – F. Opdenhoff – F. Stroth (Hrsg.), Writing Matters. Presenting and Perceiving Monumental Inscriptions in Antiquity and the Middle Ages (Berlin 2017) 43 – 76.
  • F. Feraudi-Gruénais – F. Grieshaber, Digital epigraphy am Scheideweg? / Digital epigraphy at a crossroads? (Heidelberg 2016). DOI:10.11588/heidok.00022141

 

Adresse:

Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstraße 4
69117 Heidelberg

Email: HAdW@hadw-bw.de

Weitere Forschungsprojekte

Forschungsstellen

Weltkarte der tektonischen Spannungen World Stress Map (Karlsruhe)


Der Forschungsschwerpunkt des Projektes lag in der Interpretation und numerischer Simulation der Spannungsdaten im Hinblick auf Spannungsquellen sowie regionalen und lokalen Spannungsfeldern.

Forschungsstellen

Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens


Hauptziel des Projektes war es, eine Definition dessen zu finden, was das Wesen eines ägyptischen Tempels in griechisch-römischer Zeit ausmacht. Hierzu wurden erstmals die grundsätzlichen Textgattungen, die in den späten Tempeln zu finden sind, über eine detaillierte Form-, Motiv-, Struktur- und Inhaltsanalyse herausgearbeitet.