Hans-Georg Kräusslich als Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften wiedergewählt – Thomas Maissen wird neuer Vizepräsident

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften hat den Virologen Hans-Georg Kräusslich für weitere drei Jahre zum Präsidenten gewählt. Seine neue Amtszeit beginnt am 1. Oktober 2026. Zum neuen Vizepräsidenten wurde der Historiker Thomas Maissen gewählt. Er übernimmt gleichzeitig das Amt des Sekretars der Philosophisch-historischen Klasse von Sabine Dabringhaus.

Kräusslich, Virologe an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, steht seit 2023 an der Spitze der Akademie. Bereits von 2015 bis 2019 war er als Sekretar der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse und damit als Vizepräsident im Vorstand tätig.
„Ich freue mich sehr über meine Wiederwahl, die ich als Bestätigung unserer Arbeit in den letzten Jahren durch die Akademiemitglieder verstehe“, sagt Kräusslich. „Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften vertritt und repräsentiert die Wissenschaft im Land Baden-Württemberg und ist eine starke Stimme der Wissenschaft insgesamt. Sie bleibt ein besonderer Ort des fachdisziplinen- und kulturübergreifenden Diskurses mit dem Auftrag, das kulturelle Erbe im Sinne einer langfristig wirksamen Grundlagenforschung zu erforschen und Gesellschaft und Politik qualifiziert und
transparent wissenschaftlich zu beraten. Besonders wichtig ist mir dabei der wissenschaftliche Austausch mit den Mitgliedern der Akademie, der Jungen Akademie und den Forschungsstellen. Das gelebte Miteinander in der Akademie fördert intrinsisch die Entstehung neuer Ideen und
Forschungsthemen über die Grenzen des eigenen Fachgebiets hinaus und kann so wesentliche Beiträge zur Erforschung zentraler Zukunftsthemen leisten.“

Mehr Austausch mit Öffentlichkeit und jungen Menschen
Ein Schwerpunkt seiner zweiten Amtszeit soll auf der Stärkung des wissenschaftlichen Diskurses und dem Austausch mit jungen Menschen liegen. Als Landesakademie Baden-Württembergs will die Heidelberger Akademie der Wissenschaften ihre Angebote für Schülerinnen und Schüler weiter
ausbauen und den direkten Austausch über aktuelle Themen fördern. „Gerade junge Menschen haben viele Fragen und wollen sich mit aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen. Unsere Mitglieder können mit ihrer Expertise wichtige Impulse geben und frühzeitig den Austausch über Themen wie Fake News oder die Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz anstoßen“, so Kräusslich. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit sei eine zentrale Aufgabe der Akademie. Mit öffentlichen Veranstaltungen und neuen Formaten für Schulen will sie auch künftig dazu beitragen,
wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu vermitteln und den gesellschaftlichen Diskurs zu stärken.

Thomas Maissen: „Eine Institution mit großer Verantwortung“
Zum 1. Oktober übernimmt der Historiker Thomas Maissen das Amt des Sekretars der Philosophisch-historischen Klasse von der Freiburger Historikerin Sabine Dabringhaus. Gemeinsam mit dem Chemiker Lutz Gade, Sekretar der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse, und Präsident Hans-Georg Kräusslich bildet er dann den neuen Vorstand der Akademie.
Die Heidelberger Akademie ist für Maissen eine Herzensangelegenheit. Seit 2006 ist er gewähltes Mitglied. Er nahm an Akademiesitzungen selbst dann regelmäßig teil, als er für zehn Jahre das Deutsche Historische Institut in Paris leitete. Im Laufe der Jahre hat er sich vielfach engagiert, unter anderem durch Veranstaltungen zu aktuellen Themen wie „Natürliche Zeit – kulturelle Zeit?“. Als Sekretar möchte er die erfolgreiche Arbeit seiner Vorgängerin fortführen und konstatiert: „Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften ist Landesakademie von Baden-Württemberg und
verfügt zugleich dank ihrer weltweit angesiedelten Partner und herausragenden Forschungsprojekte über internationale Strahlkraft. Eine solche Institution mitzulenken, ist ein Privileg und zugleich eine große Verantwortung. Gerade in politisch unruhigen Zeiten, in denen die Wissenschaftsfreiheit
vielerorts auf dem Spiel steht, soll unsere Akademie Raum bieten für gepflegte, aber kontroverse intellektuelle Auseinandersetzungen über die Grenzen der Disziplinen, Geschlechter und Generationen hinweg. Insofern freue ich mich besonders auf die Integration neuer Mitglieder mit vielfältigen
Hintergründen.“
 

Prof. Dr. Dr. h. c. Hans-Georg Kräusslich studierte Medizin in München und wurde 1985 promoviert. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA gründete er 1989 am Deutschen Krebsforschungszentrum eine Arbeitsgruppe zur HIV-Vermehrung und -Ausbreitung. Nach fünf Jahren als Direktor eines Leibniz-Instituts in Hamburg leitet er seit 2000 die Abteilung Virologie an der Universität Heidelberg. Er war Sprecher von zwei Sonderforschungsbereichen und des Exzellenzclusters „Cellular Networks“. Von 2019 bis 2023 war Kräusslich Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Er veröffentlichte über 250 Fachartikel und engagiert sich in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien. Der Virologe ist seit 2007 Mitglied der Heidelberger Wissenschaften. Er ist zudem Mitglied der Leopoldina und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2021 die Ehrendoktorwürde der Karls-Universität Prag und 2022 die Staufermedaille in Gold, die ihm für besondere Verdienste um das Land Baden-Württemberg verliehen wurde.

Prof. Dr. Thomas Maissen ist seit 2004 Professor für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Frühe Neuzeit an der Universität Heidelberg. Er war unter anderem Co-Direktor des DFG-Exzellenzclusters „Asia and Europe in a Global Context“ und Fellow am Institute for Advanced Study in Princeton. Von 2013 bis 2023 leitete er als Direktor das Deutsche Historische Institut in Paris (DHIP). Seit der Rückkehr auf seine Professur an der Universität Heidelberg ist er Sprecher des von der Daimler und Benz Stiftung geförderten Projekts „Der Aggressor: Selbst- und Fremdwahrnehmung eines Akteurs zwischen den Nationen“. Seine Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere in der Erinnerungs- und politischen Ideengeschichte.
Maissen ist seit 2006 Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.