Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke Osianders
Laufzeit: Von 1984 bis 1996
Andreas Osiander (1496-8/1552) stand immer im Schatten der großen Reformatoren Luther, Melanchthon, Zwingli und Calvin. Erst die zehnbändige Gesamtausgabe seiner Schriften, Predigten, Gutachten und Korrespondenz hat seine vielfältige Bedeutung für die Reformationsgeschichte hervortreten lassen. Seit 1522 als Prediger für die Reformation in der Reichsstadt Nürnberg tätig, hat er deren Geschicke bis 1548 entscheidend bestimmt. Da er sich der vom Kaiser erzwungenen und vom Rat der Stadt umgesetzten Rücknahme reformatorischer Errungenschaften nicht fügen wollte, verließ er Nürnberg und wirkte die letzten Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1552 als Professor an der jungen Universität Königsberg. Im Kreis der dortigen Luther- und Melanchthon-Schüler kam es zum Streit um seine Christologie und Rechtfertigungslehre, so dass fortan sein Ansehen unter den Reformatoren beschädigt blieb.
Die Ausgabe dokumentiert Osianders umfassenden Beitrag zur Nürnberger Reformationsgeschichte und seine ebenso originellen wie umstrittenen Positionen in den theologischen Debatten im 16. Jahrhundert. Die von ihm maßgeblich miterarbeitete Kirchenordnung für Brandenburg-Nürnberg ist zum Vorbild vieler späterer Kirchenordnungen geworden. Seine Katechismuspredigten erreichten hohe Auflagenzahlen und wurden auch ins Englische und sogar ins Isländische übersetzt. Als Kenner der mittelalterlich-jüdischen Überlieferungen verteidigte er die Juden gegen die Behauptungen über Ritualmorde und andere Verdächtigungen.
Andreas Osiander von Georg Pencz, Papierzeichnung 1544 in Rom