Was wir machen

Das Projekt  untersucht, wie hormonelle Prozesse – insbesondere solche mit Beteiligung von Oxytocin und Cortisol – mit unserer Selbstwahrnehmung zusammenhängen. Dabei interessiert uns insbesondere die Wechselwirkung zwischen hormonellen Prozessen und verschiedenen Formen von innerer Rede und ihrer Verschränkung mit emotionalem Erleben, welche wichtige – aber bislang noch nicht ausreichend untersuchte – Aspekte von Selbstwahrnehmung darstellen. Durch diesen Fokus auf hormonelle Prozesse als Aspekt von Embodiment entwickelt das Projekt eine neue Perspektive auf das verkörperte Selbst. Dabei kombinieren wir philosophische Theoriebildung, phänomenologische Analyse und empirische Forschung.

 

Innere Rede ist jene lautlose, innerliche sprachliche Aktivität, durch die Personen ihr Erleben und ihre Gedanken strukturieren, Handlungen planen oder unterstützen und Selbstverständnis artikulieren. Während in der gegenwärtigen kognitionswissenschaftlichen und philosophischen Forschung mittlerweile vielfältige mentale Prozesse als verkörpert, d.h., durch sensomotorische, interozeptive sowie affektive Prozesse gestützt, wenn nicht wesentlich geformt, verstanden werden, ist diese Verkörperungsdimension innerer Rede bislang noch weitgehend kaum beleuchtet worden. 

 

Einen zentralen, jedoch weitgehend ausgeblendeten Aspekt verkörperten Erlebens stellen vor allem endokrinologische Prozesse dar, die sich in spezifischer Weise über interozeptive, affektive und kognitive Dimensionen im Erleben niederschlagen. Endokrinologische Marker wie Oxytocin oder Cortisol spielen eine zentral vermittelnde Rolle für das Erleben von Umweltstressoren und soziale Einbindung. Somit könnten endokrinologische Prozesse ein wichtiges Bindeglied zwischen verkörperten Umweltinteraktionen und der Ausformung des Selbstbezugs in innerer Rede markieren.

 

Das erste Teilprojekt entwickelt ein Konzept hormonell vermittelter Verkörperung affektiv-kognitiven Selbstbezugs auf Basis klassischer und zeitgenössischer phänomenologischer Ansätze, mit besonderem Fokus auf die Rolle innerer Rede für Selbstvergewisserung und Selbstkritik. In Auseinandersetzung mit philosophisch-phänomenologischer Theoriebildung und kognitionswissenschaftlichen Ergebnissen explorieren und entwickeln wir die Hypothese, dass sich hormonelle Prozesse indirekt aber in spezifischen affektiven Signaturen und selbstregulativen Vollzügen in das Erleben einschreiben. Besonderes Augenmerk wird auf das körperlich-affektive Erleben in seinem Zusammenhang mit selbstinvalidierender innerer Rede in der hierfür besonders paradigmatischen Borderline-Persönlichkeitsstörung gelegt.

 

In enger konzeptueller Verzahnung mit dem theoretisch-begrifflichen Teilprojekt untersucht das zweite Teilprojekt mithilfe einer kombinierten Fragebogen- und Tagebuchstudie (EMA) mit 100 Personen mit Borderline-Symptomatik, wie u.a. selbstkritische innere Rede im Alltag mit hormonellen Stressmarkern, Affekten und Kontextfaktoren (z. B. soziale Nähe oder Zurückweisung) zusammenhängt. Ziel der empirischen Studie ist über die eigentlichen Befunde hinaus die Begriffsarbeit im Detail zu schärfen und somit zu einem dynamischen, interdisziplinären Verständnis verkörperter Selbstverhältnisse zu gelangen, das neue Perspektiven auf die Rolle hormoneller Prozesse für Bewusstsein, Denken und Psychopathologie eröffnet.

 

Aktuelle empirische Studien

 

Fragebogenstudie “Innere Rede und emotionales Leben”

Weitere Informationen: 

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/zpm/psychatrie/t_fuchs/Schmidt/Allgemeine_Einladung.pdf

Teilnahme-Link:

https://www.soscisurvey.de/ISER/ 

 

Workshops und Aktivitäten

24.-26.9.2026: International Conference “The Self in the Social World” (Universitätsklinikum Heidelberg)

 

02-05.09. 2026: 56th Annual Meeting of the “International Society of Psychoneuroendocrinology” (Erlangen, Germany) 

 

03-06.06. 2026: 51st Annual Conference “Psychology and the Brain” (Heidelberg, Germany) 

 

21.4.2026: Workshop “Living together in the Absurd: Making sense when the world doesn’t make sense” (Faculty of Modern and Medieval Languages and Linguistics, University of Cambridge)

 

15.4.2026: Workshop “Healing Voices? Language in Psychopathology and Psychotherapy” (St. Catherine’s College, University of Oxford)