Forschungsstellen
ALMA ist ein interakademisches Projekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (HAdW), der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (AdW Mainz). Unter der Leitung von Prof. Dr. Maria Selig (BAdW), Prof. Dr. Elton Prifti und Seniorprof. Dr. Dres. h.c. Wolfgang Schweickard (AdW Mainz) und Priv.-Doz. Dr. Sabine Tittel (HAdW) sind drei Arbeitsstellen in Heidelberg, München und Saarbrücken mit insgesamt sieben Beschäftigten eingerichtet. Bei dem Projekt wechseln sich die Arbeitsstellen mit der Federführung ab. Zu Beginn ist es die Heidelberger Akademie. Die Gesamtlaufzeit ist auf 22 Jahre ausgelegt.
Das Projekt zielt darauf ab, die Wechselwirkung zwischen Sprache und Wissen(schaft) im romanischen Kulturraum zu untersuchen, in dem vom 12. bis 15. Jahrhundert neue volkssprachliche Wissensnetze entstehen und die Vernakularsprachen (Altfranzösisch, Altitalienisch etc.) zu fachlich komplexen Wissenssprachen ausgebaut werden.
Das Projekt ALMA kombiniert Methoden der Linguistik, Textphilologie und Wissen(schaft)sgeschichte mit den Technologien der Digital Humanities und des Ontology Engineering. Es erarbeitet Handschrifteneditionen zu den exemplarischen Domänen 'Medizin' und 'Recht' und untersucht auf dieser empirischen Basis zentrale Konzepte und Begrifflichkeiten der einzelnen Wissensbereiche. Die historisch-philologischen Forschungsergebnisse werden für die Integration in das Semantic Web in Linked Open Data und in sprachunabhängige, historisierte Ontologien überführt, die nicht die moderne Welt abbilden, sondern der Spezifik mittelalterlicher Erklärungsmuster Rechnung tragen werden. Dies erweitert den potenziellen Nutzerkreis der Ontologien weit über den speziellen Bereich der Romanistik hinaus auf alle historisch arbeitenden Wissenschaften und spiegelt die wissensgeschichtliche Zielsetzung und interdisziplinäre Relevanz des Projekts.
«ALMA, realmente un proyecto con alma», Xavier Casassas Canals.
Copyright:
1. Gui de Chauliac, Grande Chirurgie, Handschrift Bibliothèque Universitaire Historique de Médecine – Université de Montpellier, H 184 [2. Dr. 15. Jh.], Folio 10vo. SCDI Montpellier – Service photographique.
2. Id., Folio 14vo.
3. „Fresko, Ambrogio Lorenzetti, Siena, Palazzo Pubblico, Allegoria ed effetti del buono e del cattivo governo“ [zwischen 1338 und 1340]. Public domain.
4. „Chirurgia magna Chirurgia magna Guidonis de Gauliaco... nunc demum suae primae integritati restituta à Laurentio Jouberto, S. 40“. Wellcome Collection, CC-BY-4.0.
Das Hauptanliegen des Projektes ist die Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Sprache und Wissen(-schaft) im romanischen Kulturraum des Hoch- und Spätmittelalters, wo sich zwischen ca. 1100 und ca. 1500 neue volkssprachliche Wissensnetze entwickeln, die die bis dahin vorherrschenden lateinischen mehr und mehr ablösen. Das Projekt zeichnet diesen Prozess in den mittelalterlichen Varietäten der Galloromania – des Französischen, Okzitanischen und Gaskognischen – und der Italoromania nach.
Die zunehmende Verschriftlichung zahlreicher Lebensbereiche und die Entstehung neuer Bildungsinstitutionen in den wachsenden mittelalterlichen Städten etwa begünstigen die Entstehung neuer Expertengruppen, neuer Wege der Wissenstradierung und -generierung und damit den Ausbau der Volkssprachen als schriftliches Kommunikationsmedium: Während man im westeuropäischen Raum bis etwa 1150 fast ausschließlich lateinisch schrieb, wechselt man nun immer stärker zu den Vernakularsprachen. Der Sprachwechsel ist nicht vollständig, denn noch sehr lange wird Latein als Verwaltungs-, Bildungs- und Wissenschaftssprache die volkssprachlichen Varietäten dominieren. Die neuen volkssprachlichen Formen der Wissenskommunikation sind regionaler, stärker parzelliert und teilweise nur lose miteinander verknüpft. Sie tragen nicht immer dazu bei, eigenständige, innovative Wissensbestände zu entwickeln. Häufig sind sie weiterhin von lateinischen Vorbildern abhängig und daher oft epigonal. Die volkssprachliche Wissenskommunikation ist dennoch ein wichtiger Faktor in dem Prozess, der die traditionellen, kanonisierten und autoritativ verwalteten Wissensbestände der lateinischen Überlieferung weiterentwickeln oder gar aufweichen wird.
Der Sprachwechsel ist auch nicht abrupt, sondern vollzieht sich in mehreren Etappen, und die einzelnen Regionen beginnen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Intensität in der Vernakularsprache zu schreiben. Auf den ersten Blick mag es sich beim Übergang vom (Mittel-)Latein zu den Volkssprachen um ein Oberflächenphänomen handeln, um einen einfachen Wechsel zwischen gegenseitig austauschbaren Sprachformen. In sozialhistorischer, kultur- und gattungsgeschichtlicher Perspektive ist eine solche Einschätzung aber falsch, da das Lateinische im Mittelalter mit spezifischen Trägergruppen und spezifischen Gebrauchssituationen verknüpft ist, die nicht mit denen der Volkssprachen übereinstimmen. Wenn nun auch die volkssprachlichen Varietäten Mittel zur schriftlichen Vermittlung von Wissen werden, verändern sich die Wissensnetze.
Der konzeptuelle und damit verbundene begriffliche Ausbau der Volkssprachen, zwei zentrale Analyseebenen des Projekts, sind zugleich Indiz und Stimulans des sozialen Wandels, in dem sich eine Erneuerung der intellektuellen Landschaft auf dem Weg zur Renaissance manifestiert. Mit den Wissen(schaft)ssprachen wird nicht nur ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes Europas in den Fokus gerückt. Die romanischen Sprachen sind auch bedeutende Träger des kulturellen Austauschs, der im Mittelalter die europäische Identität als Wissensgesellschaft begründet.
Das Projekt verschränkt gezielt Methoden der Lexikologie und Lexikographie, Textphilologie und Wissen(schaft)sgeschichte mit Herangehensweisen der Digital Humanities, des Semantic Web und des Ontology Engineering.
Mit digitalen Verfahren wird die reiche romanische Überlieferung im Bereich der Wissenskommunikation erschlossen und in zwei exemplarischen Textkorpora zu den Domänen der Medizin und des Rechts für die historisch ausgerichtete Forschung digital aufbereitet. Diese übereinzelsprachlichen Textkorpora erschließen einen bedeutenden Kulturraum der mittelalterlichen Romania und sind die Basis für die Rekonstruktion der zentralen Konzepte und Begriffsnetze der Wissensdomänen. Der sprachübergreifende Ansatz der Erstellung der domänenspezifischen Parallelkorpora stellt hierbei ein Desiderat der bisherigen Forschung dar.
Die Korpora setzen sich zusammen aus von ALMA neu erstellten digitalen Texteditionen bisher unbearbeiteter Handschriften und aus retrodigitalisierten, in Buchform publizierten Editionen. Sämtliche Texte werden in ein einheitliches XML/TEI-Format konvertiert, tokenisiert, annotiert und lemmatisiert. Die Korpustexte werden mit quantitativ-empiristischen Methoden der Korpuslinguistik ausgewertet (absolute und relative Frequenzanalysen, Kookkurrenzanalyse), um erste Erkenntnisse zu relevanten Fachtermini und Schlüsselbegriffen zu generieren.
Domäne ‚Medizin‘
Der Bereich der Medizin spielt eine wichtige Rolle, da in ihr der Kontakt mit der griechisch-arabischen Tradition zum Tragen kommt, der und der neue Expertengruppen an die schriftliche Wissenskommunikation heranführt.
Ein Beispiel für einen der bedeutendsten Texte des medizinischen Korpus sind die vernakularsprachlichen Übersetzungen der Chirurgia magna [lt. Text 1363, älteste Handschrift mit französischer Übersetzung, 2. Drittel 15. Jh.] des Gui de Chauliac (ca. 1300-1368), eines im Frankreich des 14. Jahrhunderts wirkenden Arztes, der Leibarzt dreier Päpste war. Dieses Werk ist, anders als sein Name vermuten lässt, in seiner wissenschaftlichen Bedeutung nicht auf den Bereich der Chirurgie beschränkt.
Stattdessen stellt die Chirurgia magna einen Höhepunkt der auf antikem Wissen basierenden mittelalterlichen Medizin dar, welcher den Übergang zur neuzeitlichen Medizin einläutet: Durch die Verflechtung von Chirurgie, zu dieser Zeit als von der Medizin separat aufgefasstes Gebiet, und Medizin steht Gui de Chauliac am Beginn eines für die Moderne kennzeichnenden, umfassenderen Medizinkonzeptes. Zugleich stellt die Chirurgia magna eine das vollständige medizinisch-chirurgische Wissen seiner Zeit darstellende Kompilation dar. Bedeutend ist hierbei auch die Diskussion der Sektion menschlicher Leichen als medizinische Lehrmethode, die viele von Guy de Chauliacs Zeitgenossen nicht einsetzten. Weiteren aufgezeichneten medizinischen Innovationen wie der Klassifizierung der Lungen- und Beulenpest oder der Weiterentwicklung bisheriger Heilungs- und Behandlungsmethoden von Knochenbrüchen ist es zu verdanken, dass die Chirurgia magna bis ins 17. Jahrhundert als beliebtes Lehr- und Handbuch eine direkte Brücke zwischen mittelalterlicher und neuzeitlicher Medizin bildete.
Domäne ‚Recht‘
Die Domäne des Rechts ist aufgrund seiner jahrhundertelangen Tradition der Vermittlung von volkssprachlichen und lateinischen Rechtsbegriffen und -konzepten besonders relevant.
Zwei der Schlüsseltexte sind hier die Assises de Jérusalem [vor 1266] des Jean d’Ibelin sowie der anonyme Grand coutumier de Normandie [Ende 13. Jh.]. Bei den Assises de Jérusalem handelt es sich um eine Kompilation des Gewohnheitsrechtes im lateinisch-christlichen Königreiches Jerusalem aus der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Sein Verfasser war der politisch äußerst einflussreiche Jean d’Ibelin, Graf von Jaffa und Aschkelon, einer der prominentesten Adligen des lateinischen Nahen Ostens seiner Zeit. Das Werk ist aus mehreren Gründen von herausgehobener Bedeutung:
Erstens handelt es sich bei ihm um den weitaus ausführlichsten von mehreren zeitgenössischen Rechtstexten seines Kulturkreises. Zweitens gelten die Assises de Jérusalem als eine der umfassendsten, wenn nicht gar als die umfassendste mittelalterliche Abhandlung über das christlich-europäische Lehensrecht. Außerdem behandelt es formale und inhaltliche Fragen des königlichen Hofgerichtes und der Verfassung des Königreiches und seiner Herrschaftsstruktur. Für das Projekt ALMA ist der Text zudem besonders relevant, da er ohne unmittelbare lateinische Vorlage auf Französisch verfasst wurde und zudem einen Einblick in die beeindruckende Reichweite neuer volkssprachlicher Wissensnetze bis in den Nahen Osten gibt.
Die Ergebnisse der korpuslinguistischen, statistischen Auswertung bilden die Ausgangsbasis für die kompetenzlinguistische Ausarbeitung des Wortschatzes mit dem qualitativ-hermeneutischem Vorgehen der historischen Sprachwissenschaften. Ausgehend von den in den Texten erkannten relevanten, zu analysierenden Konzepten und Begriffen werden – mit onomasiologischem, konzeptbasiertem Blickwinkel – lexikalisch-semantische Studien erarbeitet. Diese analysieren die Begriffsgeschichte (histoire du concept) sowie ihre Verknüpfung mit der Wortgeschichte (histoire du mot), über die Sprachen hinweg und im Kontext der Entstehung neuer Wissensnetze.
In diese Studien fließen außerdem die Erkenntnisse benachbarter Disziplinen wie der Astronomie, der Botanik oder der Pharmazeutik ein. Darüber hinaus gleichen sie die volkssprachlichen Schriften mit den mittellateinischen Ursprungstexten sowie bereits erschlossenen Textkorpora ab, vor allem für das mittelalterliche Spanisch und Katalanisch. Kontrolliert wird die lexikologische Arbeit außerdem durch den Rückgriff auf die in den historischen Wörterbüchern erarbeiteten lexikographischen Materialien: auf die Lexikographie der Gallo- und Italoromania, insbesondere die Wörterbücher Dictionnaire onomasiologique de l’ancien gascon - DAG (HAdW), Dictionnaire étymologique de l’ancien français - DEAF (HAdW), Dictionnaire de l’occitan medieval - DOM (BAdW) und Lessico etimologico italiano - LEI (AdW Mainz), Französisches etymologisches Wörterbuch - FEW und Dictionnaire du moyen francais - DMF, dazu Iberoromania und (Mittel-)Latein.
Von diesen Erkenntnissen der lexikalisch-semantischen Studien ausgehend wird in separaten, übergreifenden Untersuchungen die Entwicklung der volkssprachlichen Wissensnetze und der Sprachausbau untersucht und beschrieben. Potenzielle Beispiele sind Kontexte ‚Pest‘, ‚Anatomie‘, ‚Schenkungspraxis‘ etc.
Ein Innovationswert des Vorhabens liegt in der Verbindung der sprachdatenbasierten und übereinzelsprachlich orientierten Herangehensweise mit den Mitteln des Ontology Engineering: Wesentliches Ziel ist es, die im Projekt ermittelten, historisch-philologischen Forschungsergebnisse in informatische domänenspezifische historisierte Ontologien (in Web Ontology Language – OWL) zu überführen. Diese entwickeln die begriffliche Gliederung der untersuchten Wissensdomänen zu structured knowledge (strukturiertes Wissen) weiter. Als historisierte Ontologien werden sie dabei der Spezifik mittelalterlicher Erklärungsmuster gerecht: Sie erlauben es, die Kontinuitätsbrüche zwischen mittelalterlichen und modernen Wissen(schaft)ssystemen sichtbar zu machen und nicht durch anachronistische Zuordnungen zu verdecken. Ihr sprachübergreifender und sachbezogener Ansatz macht sie zu Knotenpunkten für die inhaltlich ausgerichtete Verknüpfung von Forschungsdaten. Dies erweitert den Nutzerkreis der Ontologien weit über den speziellen Bereich der Romanistik hinaus auf alle historisch arbeitenden Wissenschaften.
Linked Open Data
Die Korpustexte, die lexikalisch-semantischen Studien ebenso wie eine kritische Forschungsbibliographie (ALMABibl) werden als Linked Open Data in das Datenmodell Resource Description Framework (RDF) überführt und stehen damit für ontologiegestützte Zugriffe bereit. Um Interoperabilität zu erreichen, setzt ALMA für das Modellieren als Linked Open Data die für die Disziplin und ihre historischen linguistischen Ressourcen als (De-facto-)Standards etablierten Ontologien, Vokabularien und Repositorien ein:
Die Linked-Open-Data-Modellierung und die historischen Domänenontologien wird das Projekt außerdem für die innovative Nachnutzung der einschlägigen lexikographischen Ressourcen der Wörterbücher der Akademien DEAF, DOM und LEI (und ggf. DAG) einsetzen.
Die von ALMA erarbeiteten Erkenntnisse werden durch verschiedene Publikationsarten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Synthesen von Ergebnissen spezifischer Forschungsbereiche werden in Form von Monographien, Tagungsbänden oder Aufsätzen in Fachzeitschriften veröffentlicht. Ein großer Teil der Forschungsergebnisse erscheint im Open-Access Online-Portal des Projekts: die Korpustexte, die lexikalisch-semantischen Studien (in enger Verknüpfung mit den Online-Versionen der Akademiewörterbücher DAG, DEAF, DOM und LEI sowie weiteren Wörterbüchern), die Forschungsbibliographie ALMABibl sowie die Domänenontologien.
Die Linked-Open-Data-Ressourcen werden über einen Triplestore abfragbar gemacht.
Copyright:
1. Visualisierung der TextFactory-Pipeline, ALMA.
2. “Trotula”, Urinflasche haltend, Handschrift Wellcome Collection, London, MS. 544 [frühes 14. Jh.]. Miscellanea medica XVIII. CC BY 2.0
3. „Trotula de Salerno, De passionibus mulierum“, Handschrift Salerno [1544]“. Public domain.
4. Abb. eines Textes in eScriptorium.
5. RDF-Daten.
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Studentische Hilfskräfte
Frankwalt Möhren, "Le Grand Coutumier de Normandie, le grand inconnu", in: ZrP (im Druck); das Addendum zur Publikation steht hier zum Download bereit:
Konkordanz zu F. Möhren, "Le Grand Coutumier de Normandie, le grand inconnu", in ZrP (im Druck)
Tittel, Sabine, "Cross-disciplinary relationships in the ALMA project? It’s complicated…", Gastvortrag auf der Veranstaltung des European Masters of Lexicography, EMLex Colloquium on "Interdisciplinary Lexicography", Institut für Deutsche Sprache, Mannheim, 22.05.2025. Organisation Dominik Brückner, Stefan Engelberg, Annette Klosa-Kückelhaus, Peter Meyer, Carolin Müller-Spitzer und Sascha Wolfer.
S. den Bericht durch Studierende des EMLex auf hypotheses.org (zu zitieren als: Redaktionsteam (4. Juni 2025). Interdisziplinäre Lexikografie: Lexikografie in und für die Gesellschaft. Linguistische Werkstattberichte. Abgerufen am 5. Juni 2025 von https://doi.org/10.58079/14207). [Corrigendum: "(Mittelfranzösisch, Italienisch, Okzitanisch und Gascogne)" l. "(der mittelalterlichen Gallo- und Italoromania)"]
Sabine Tittel / ALMA ist assoziiertes Mitglied des "Netzwerks Offenes Mittelalter", https://offenesmittelalter.org/.
Dem wissenschaftlichen Beirat gehören Expertinnen und Experten der Medizin- und Rechtsgeschichte, des iberoromanisch-arabischen Wissensraums, der speziellen linguistischen Teildisziplinen sowie der Digital Humanities und des Ontology Engineering an.
† Wir trauern um unseren Kooperationspartner Thierry Declerck, ein toller Kollege und lieber Freund, der am 27.06.2023 während der eLex-Konferenz in Brno verstarb.
Für den Mittelmeerraum und damit für die romanischen Sprachen spielt der Kontakt zwischen der arabischen, jüdischen, byzantinischen und lateinischen Welt während des gesamten Mittelalters eine entscheidende Rolle. Auch die Entstehung von Wissenskulturen und insbesondere die Geschichte der Medizin ist durch diese Verflechtungen über die Sprach- und Religionsgrenzen hinweg sehr stark geprägt. Das Projekt ALMA, das seit dem Herbst 2022 im Akademienprogramm gefördert wird, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Ausbau der romanischen Wissenssprachen von 1100 bis 1500 zu untersuchen und die kognitiv-begrifflichen und linguistischen Aspekte dieses Prozesses zu beleuchten. Eine der Domänen, die das Projekt paradigmatisch beleuchtet, ist die der Medizin, eine Domäne, die wesentlich vom Kulturkontakt und Wissenstransfer zwischen antik-griechischen, jüdischen und arabischen Traditionen und beginnender mittellateinischer und romanisch-volkssprachlicher Rezeption geprägt ist. Die geplante Tagung wird diesen polyzentrischen Wissenstransfer als eine der zentralen Voraussetzungen der von ALMA analysierten sprachlichen Ausbauprozesse beleuchten. Im Dialog mit Forschenden aus der Geschichte, der Wissen(schaft)sgeschichte, der Textphilologien und der Linguistik sollen die Konstellationen untersucht werden, die Kontakt- und Transferprozesse – Prozesse der Abgrenzung oder der Aneignung – in der Domäne des medizinischen Wissens ermöglichen. Damit werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, die konzeptuellen und sprachlichen Veränderung in ihre jeweiligen Rezeptions- und Produktionskontexten einzubetten und in ihrer historischen Bedingtheit transparent zu machen.
Im Rahmen der 75-Jahr-Feier der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz bekam Sabine Tittel am 08.11.2024 den Kurt-Ringger-Preis für herausragende Arbeiten in der Disziplin der Romanistik für ihre Habilitationsschrift „Historische lexikalische Semantik und Linked Data. Modellierung von Ressourcen der mittelalterlichen Galloromania für das Semantic Web” verliehen.
S. auch den Bericht in RheinMainKultur.de.
Zur Bildergalerie der Preisverleihung (interner Link)
Unter dem Titel "Écrire le droit dans la Romania Plurilinguistique (XIIe - XIVe siècle)" veranstaltet Viola Mariotti (ALMA) am 25. (Neue Uni, HS 12) und 26. Oktober (Romanisches Seminar, Ernst-Robert-Curtius-Saal) 2024 ein internationales Kolloquium mit internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Näheres zur Veranstaltung finden Sie hier. Das Programm und die Zusammenfassungen der Vorträge können hier heruntergeladen werden.
ALMA (Gustavo Covolo Campedelli, Sabine Tittel) nimmt am diesjährigen Mittelaltertag der Universität Heidelberg teil, der am 08.06.2024 von 14:00 - 20:00 mit Aktionen auf dem Universitätsplatz und in der Neuen Uni stattfindet. Ein PDF mit dem Programm findet sich hier.
Am 20. und 21. Februar 2025 veranstaltet ALMA eine internationale, interdisziplinäre Tagung zu einem der Kernthemen des Forschungsvorhabens: "Mittelalterliche Wissenskulturen im mediterranen Raum. Polyzentrischer Wissenstransfer und der Ausbau romanischer Fachsprachen".
Die Tagung wird unter der Federführung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von allen drei Forschungsstellen ALMAs organisiert und wird in den Räumen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften stattfinden. Ein öffentlicher Festvortrag ist für den Abend des 20. Februars 2025 geplant.
Heidelberger Mittelaltertag 2024
Für den Mittelmeerraum und damit für die romanischen Sprachen spielt der Kontakt zwischen der arabischen, jüdischen, byzantinischen und lateinischen Welt während des gesamten Mittelalters eine entscheidende Rolle. Auch die Entstehung von Wissenskulturen und insbesondere die Geschichte der Medizin ist durch diese Verflechtungen über die Sprach- und Religionsgrenzen hinweg sehr stark geprägt. Das Projekt ALMA, das seit dem Herbst 2022 im Akademienprogramm gefördert wird, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Ausbau der romanischen Wissenssprachen von 1100 bis 1500 zu untersuchen und die kognitiv-begrifflichen und linguistischen Aspekte dieses Prozesses zu beleuchten. Eine der Domänen, die das Projekt paradigmatisch beleuchtet, ist die der Medizin, eine Domäne, die wesentlich vom Kulturkontakt und Wissenstransfer zwischen antik-griechischen, jüdischen und arabischen Traditionen und beginnender mittellateinischer und romanisch-volkssprachlicher Rezeption geprägt ist.
Die geplante Tagung wird diesen polyzentrischen Wissenstransfer als eine der zentralen Voraussetzungen der von ALMA analysierten sprachlichen Ausbauprozesse beleuchten. Im Dialog mit Forschenden aus der Geschichte, der Wissen(schaft)sgeschichte, der Textphilologien und der Linguistik sollen die Konstellationen untersucht werden, die Kontakt- und Transferprozesse – Prozesse der Abgrenzung oder der Aneignung – in der Domäne des medizinischen Wissens ermöglichen. Damit werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, die konzeptuellen und sprachlichen Veränderung in ihre jeweiligen Rezeptions- und Produktionskontexten einzubetten und in ihrer historischen Bedingtheit transparent zu machen.
Weitere Informationen folgen in Bälde.
Während des Kolloquiums "Science by Words. How to Express Science in Antiquity and the Middle Ages / La Science par les mots. Exprimer la science dans l’Antiquité et au Moyen Âge", das am 29. und 30. Mai 2024 in Louvain, Belgien, stattfand, präsentierte Sabine Tittel das Projekt ALMA mit einem Vortrag "„Knowledge Networks in Medieval Romance Speaking Europe“. The project ALMA and its Approach to Grasping the Languages of Science and Scholarship".

Gruppenbild beim Workshop "XML/TEI für Texteditionen: von links nach rechts Matthias Schöffel, Ragini Menon, Rita Lettieri, Giulia Barison, Gloria de Meleghy, Viola Mariotti, Yasmine Posillipo.

Von links nach rechts: Sébastien Biay, Matthias Schöffel, Ragini Menon.
Programm des ALMA-Workshops am 17.04.2024, Saarbrücken
Am 24.11.2023 und 25.11.2023 fand der zweite ALMATHON statt, an dem Xavier Casassas Canals (Salzburg), Jiufeng Li und Sabine Tittel (beide ALMA) einen zentralen Schritt in der Datenverarbeitung von ALMAs Text Factory und Bib Factory in Richtung der Entry Factory bearbeiteten: In yml-Dateien wird definiert, welche Informationen der Texteditionen und der bibliographischen Angaben über json-Dateien und mithilfe von Pythonscripts von der eXistdb in eine relationale Datenbank weitergegeben werde müssen. Dies bildet nun die Basis für die Festlegung des Datenmodells für Textedition und Bibliographie ALMAs und für die Tabellen der relationalen Datenbank.
ALMATHON#2 2023: Jiufeng Li und Xavier Casassas Canals beim Programmieren "con alma".
Am 21. Juli 2023 wurde das neu eingerichtete Heidelberg Center for Digital Humanities (HCDH) feierlich eröffnet; bei der Eröffnungsveranstaltung war ALMA in Form einer Posterpräsentation und in personam S. Tittel in der roundtable-Diskussion vertreten, s. den Bericht des Trier Kompetenzzentrum für Digital Humanities.
Am 20.06.2023 stellten wir unser Projekt ALMA den Studentinnen und Studenten, Kolleginnen und Kollegen des Romanischen Seminars der Universität Heidelberg vor. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (in alphabetischer Reihenfolge Gustavo Campedelli, Viola Mariotti, Ragini Menon, Leo Reitmaier, Sabine Tittel) gaben gemeinsam in kurzen Vorträgen Einblicke in die textphilologischen, linguistischen und die informationstechnologischen Arbeitsprozesse des Projekts.
Die Vorträge fanden statt im Rahmen einer gemeinsamen "Doppelten Projektvorstellung" mit dem HAdW-Projekt Bibelglossare als verborgene Kulturträger, deren Team um Prof. Dr. Hanna Liss und Dr. Stephen Dörr ebenfalls mit dabei war. Ein kleiner Umtrunk rundete das Ganze ab.
Zur Bildergalerie der Projektvorstellung (interner Link)
Am Wochenende vom 10.02.2023 bis 12.02.2023 fand der erste IT-fokussierte ALMA-Workshop statt, ALMATHON#1.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Viola Mariotti, Ragini Menon, Dana Simedreaund Sabine Tittel vom ALMA-Team Heidelberg, dazu Elton Prifti, Leiter des ALMA-Teams Saarbrücken (Akademie Mainz), und Dr. Xavier Casassas Canals (Salzburg). Von Seiten der HAdW wurde der Workshop unterstützt durch Andreas Dafferner und Frank Grieshaber.
Zur Bildergalerie des ALMATHON#1 (interner Link)
Am 04. November 2022 fand in den Räumen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften der erste ganztägige Workshop zu ALMA statt.
Maria Selig, Sabine Tittel, Frankwalt Möhren, Elton Prifti, Wolfgang Schweickard legten den Grundstein für Konzeption und Struktur der Bibliographie ALMABibl. Diese wird die Primärliteratur (Textquellen), die Sekundärliteratur und die Tertiärquellen (die sich auf Primär- und Sekundärquellen und wiederum weitere Wörterbücher stützen), die für die Forschungsarbeiten von ALMA verwendet werden, verzeichnen und kritisch kommentieren. Sie wird bereits Vorhandenes der Bibliographien der Wörterbücher LEI, DOM und DEAF mit neuer Literatur integrieren.
Aufgebaut soll ALMABibl nach dem Modell von DEAFBibl sein. Das bedeutet, dass nicht nur bibliographische Angaben wie Autor, Herausgeber, Verlag etc. gemacht werden. Vielmehr werden, unter anderem, auch Texttitel inklusive ihrer Varianten genannt, die Handschriften der Textüberlieferung verzeichnet, datiert und ihre Sprachvarietät lokalisiert, die mittelalterlichen Autoren gelistet und die philologischen Editionskriterien ggf. kritisch bewertet. Die Bibliographie wird die Primärtexte den literarischen Genres sowie Domänen zuordnen, wobei der Schwerpunkt auf der Fachsprachlichkeit zu Recht und Medizin liegen wird.
Das Ziel von ALMABibl ist es, nicht nur den Schlüssel zur von ALMA verwendeten Literatur, sondern auch ein für sich allein stehendes Forschungsinstrument für die wissenschaftliche Community bereitzustellen.