Forschungsstellen
Laufzeit: 2004 bis 2022
Auf dem im heutigen Irak gelegenen Ruinenhügel der Stadt Assur, der einstigen Hauptstadt des assyrischen Reichs, förderten zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutsche Archäologen mehrere Tausend mit Keilschrifttexten beschriebene Tontafeln und Tontafelfragmente zutage. Der größere Teil dieser Zeugnisse altorientalischer Schriftkultur befindet sich heute im Vorderasiatischen Museum in Berlin. Neben Schriftstücken, die in Verwaltung und Geschäftsleben der Korrespondenz und der Dokumentation dienten, umfasst dieser umfangreiche Bestand auch Texte, deren Inhalte – oft über Jahrhunderte und weite Räume hinweg – schriftlich überliefert wurden.
Diese sog. literarischen Keilschrifttexte aus Assur enthalten gesetzliche Regelungen und Erlässe, Berichte und Erzählungen historischer und mythischer Art, Fabeln und Lebensweisheiten; Vorschriften für Festabläufe und andere religiöse Handlungen finden sich ebenso unter ihnen wie Gedichte, Lieder, Gebete und – neben vielem anderen – Schriftwerke, in denen das spezielle Fachwissen aus den Disziplinen des altorientalischen Gelehrtenwesens niedergelegt ist.

Zahlreiche dieser Texte literarischen Inhalts werden, seitdem sie zuletzt in Assur ‚in Gebrauch‛ waren, in der Forschungsstelle ‚Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur‛ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften erstmals wieder gelesen.
Die Forschungsstelle ist damit befasst, das Corpus der literarischen Texte aus Assur systematisch zu erfassen und die bislang nicht oder nur unzureichend veröffentlichten Schriftstücke gemäß den höchsten editionsphilologischen Standards in Monographien zu veröffentlichen. Diese bilden die Monographienserie ‚Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts‛ (KAL). Ziel ist es, mit der umfassenden Edition dieses reichhaltigen Textbestandes Schriftzeugnisse, die für die weitere Forschung auf dem Gebiet der Altorientalistik hochbedeutsam sind, zugänglich zu machen und so dazu beizutragen, dass sich neue Einblicke in die Wissenswelten eines Kulturkreises eröffnen, der jahrtausendelang eine enorme politische und kulturelle Dynamik entfaltet hat.
Portal der Forschungsstelle auf der Seite der Universität Heidelberg
Mit der Forschungsstelle ‚Edition literarischer Keilschrifttexte aus Assur‛ fördert die Heidelberger Akademie der Wissenschaften ein Editionsvorhaben, durch das ein umfangreicher und zentraler Textkomplex aus dem bislang zutage geförderten Schriftgut des Alten Orients erstmals systematisch zugänglich gemacht und neu erschlossen wird. Die Förderungszeit begann im Jahr 2004 und endet mit dem Jahr 2022.
Die Forschungsstelle ist in der Abteilung Assyriologie des Instituts für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg angesiedelt und in deren Räumen untergebracht. Personell ist sie derzeit mit fünf wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie studentischen Hilfskräften ausgestattet. Das umfangreiche Photoarchiv, die Datenbanken und die Handbibliothek, über die sie verfügt, werden fortlaufend vervollständigt. Ihre Einrichtung fußt auf der Forschungsstelle, die Prof. Stefan Maul mit den ihm im Rahmen seiner Förderung durch den Leibniz-Forschungspreis von Bund und Ländern zugesprochenen Mitteln im Jahr 1997 gegründet hat, um auf der Grundlage der Keilschrifttexte aus Assur Forschungsvorhaben zu zwei Schwerpunktthemen durchzuführen. Eingebunden in die Aktivitäten der Forschungsstelle sind Editionsprojekte nichtliterarischer Keilschrifttexte aus Assur. Eine enge Vernetzung besteht insbesondere zu solchen Institutionen und Wissenschaftlern, deren Forschungsschwerpunkte ebenfalls auf den Gebieten der Assur-Archäologie und der Edition von Textbeständen aus dem Alten Orient liegen.
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Die Publikationsreihe KAL der Forschungsstelle ist über die UB Heidelberg im Volltext recherchierbar
Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan M. Maul
Der Gesamtbestand der zu publizierenden Keilschrifttexte literarischen Inhalts aus Assur wird in voraussichtlich 20 Bänden vorgelegt, welche die Monographienserie KAL (Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts) bilden. Er besteht einerseits aus Texten, die eindeutig lesbar sind und bestimmten inhaltlich definierten Textgruppen oder ‚Textsorten‘ zugewiesen werden können, andererseits enthält er stark fragmentierte Texte, die gleichwohl für die weitere Textrekonstruktion von großer Wichtigkeit sind. Es erschien deshalb als sinnvoll, die Reihe so anzulegen, dass in einem Teil ihrer Bände die Texte vorgelegt werden, die den inhaltlich definierten Textgruppen zuweisbar sind, und in einem zweiten, kleineren Teil der Bände die weniger gut erhaltenen Textbruchstücke. Die Bände 1–10 sind über die UB Heidelberg im Volltext recherchierbar: KAL Online
KAL 1
Nils P. Heeßel, Divinatorische Texte I. Terrestrische, teratologische, physiognomische und oneiromantische Omina, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 116, Wiesbaden 2007.
Rezensionen:
KAL 2
Daniel Schwemer, Rituale und Beschwörungen gegen Schadenzauber, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 117, Wiesbaden 2007.
Rezensionen:
KAL 3
Eckart Frahm, Historische und historisch-literarische Texte, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 121, Wiesbaden 2009.
Rezensionen:
KAL 4
Stefan M. Maul, Rita Strauß; mit Beiträgen von Daniel Schwemer, Ritualbeschreibungen und Gebete I, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 133, Wiesbaden 2011.
Rezensionen:
KAL 5
Nils P. Heeßel, Divinatorische Texte II. Opferschau-Omina, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 139, Wiesbaden 2012.
Rezensionen:
KAL 6
Stefan M. Maul (Hg.), Glossare zu den Bänden Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts 1–3, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 142, Wiesbaden 2015.
Rezensionen:
KAL 7
Wiebke Meinhold, Ritualbeschreibungen und Gebete II, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 147, Wiesbaden 2017.
Rezensionen:
KAL 8
Frauke Weiershäuser, Ivan Hrůša, Lexikalische Texte I. ur5-ra = ḫubullu, mur-gud = imrû = ballu, Lú-Listen
Teil 1: Einleitung, Katalog, Textbearbeitungen, Verzeichnisse
Teil 2: Glossare und Keilschriftautographien
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 153, Wiesbaden 2018.
Band 8, Teil 1 im Volltext
Band 8, Teil 2 im Volltext
KAL 9
Stefan Jakob, Ritualbeschreibungen und Gebete III, Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 154, Wiesbaden 2018.
Rezensionen:
KAL 10
Stefan M. Maul, Bannlösung (nam-érim-búr-ru-da). Die Therapie eines auf eidliche Falschaussage zurückgeführten Leidens.
Teil 1: Einleitung, Katalog und Textbearbeitungen
Teil 2: Verzeichnisse, Keilschriftautographien und Photographien
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 155, Wiesbaden 2019.
Band 10, Teil 1 im Volltext
Band 10, Teil 2 im Volltext
Rezensionen:
KAL 11
Ivan Hrůša, Frauke Weiershäuser, Lexikalische Texte II. Wortlisten, Formularbücher, grammatikalische Texte.
Teil 1: Einleitung, Katalog, Textbearbeitungen, Verzeichnisse
Teil 2: Glossare und Keilschriftautographien
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 157, Wiesbaden 2020.
KAL 12
Hanspeter Schaudig, Staatsrituale, Festbeschreibungen und weitere Texte zum assyrischen Kult.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 158, Wiesbaden 2020.
KAL 13
Nils P. Heeßel, Divinatorische Texte III: Astrologische Omina.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 160, Wiesbaden 2021.
KAL 14
Ivan Hrůša, Frauke Weiershäuser, Lexikalische Texte III. Zeichenlisten.
Teil 1: Einleitung, Katalog, Textbearbeitungen, Verzeichnisse
Teil 2: Glossare und Keilschriftautographien
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 161, Wiesbaden 2023.
KAL 15
Stefan M. Maul, Sara Manasterska, Schreiberübungen aus neuassyrischer Zeit.
Mit Beiträgen von Anmar A. Fadhil sowie einer internationalen Forschergruppe.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft 162, Wiesbaden 2023.
Portal der Forschungsstelle auf der Seite der Universität Heidelberg
Assur-Projekt | Institut für Altorientalistik, FU Berlin
Assyriologie | Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, Universität Heidelberg
Ausgrabungen in Assur | Universität Heidelberg
Babylonian Collection | Yale
British Museum, The | London
Cuneiform Digital Library Initiative (CDLI)
Digitale Keilschriftbibliothek Lexikalischer Texte aus Assur (DKB-LLA) | Universtität Göttingen
Pioneering Project‚ 3D Character Transcription for Ancient Greek and Cuneiform | Universität Heidelberg
Vorderasiatisches Museum | Berlin
Am 02. Juni 2023 lädt die Forschungsstelle zu einer Abschlussfeier in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften ein.
Prof. Dr. Eckart Frahm, ehemaliger Mitarbeiter der Forschungsstelle und Professor an der Yale-University, wird einen Festvortrag mit dem Titel: „Der Fürst der Finsternis: Ein Rebellenkönig in Assur und die Transformation des assyrischen Staates in der Mitte des achten Jahrhunderts v. Chr.“ halten.
Zur Veranstaltungsseite:
Weitere aktuelle Meldungen aus der Forschungsstelle finden Sie hier.
Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
Assyriologie
Hauptstr. 126 | 69117 Heidelberg
Tel.: +49 (0) 6221/54 2965
Fax: +49 (0) 6221/54 3619
E-Mail: stefan.maul [at] ori.uni-heidelberg.de
Maximilian J. Kramer (M.A.) und apl. Prof. Dr. Lilian Maul-Balensiefen