Forschungsstellen
Die südindische Tempelstadt Kanchipuram gilt seit Jahrhunderten als eine der heiligsten Stätten des Hinduismus. Ihre Bedeutung für hinduistische Religiosität wird in einer Vielfalt von mythologischen Erzählungen begründet, die seit dem Mittelalter als schriftliche Texte überliefert werden, sich aber auch in den Tempelarchitekturen, der Ikonographie, Inschriften, der materiellen Kultur, Ritualen und mündlichen Erzählungen der Stadt niederschlagen. Auch für die heute gelebten hinduistischen Traditionen sind diese Narrative von zentraler Bedeutung.
Das Projekt ‚Hinduistische Tempellegenden in Südindien‘ erschließt diese unterschiedlichen Überlieferungsformen und macht sie in einer digitalen Umgebung zugänglich. Hierzu werden digitale Editionen der auf Sanskrit und Tamil verfassten Texte erstellt und mit einer Dokumentation von Tempelarchitektur, Ikonographie, Ritualen und mündlicher Überlieferung zusammengeführt. So werden diese wichtigen Formen des hinduistischen Kulturerbes bewahrt und gleichzeitig neue Formen des analytischen Zugangs ermöglicht.
Das Projekt ‚Hinduistische Tempellegenden in Südindien‘ erschließt die Tempellegenden der südindischen Stadt Kanchipuram in ihren unterschiedlichen Überlieferungsformen und macht sie in einer digitalen Umgebung zugänglich. Im Zentrum des Projekts steht die Erstellung digitaler Editionen der auf Sanskrit und Tamil verfassten Texte. In einem zweiten Schritt werden diese Editionen mit der aufgearbeiteten Dokumentation der relevanten Tempelarchitektur und Ikonographie sowie von Ritualen und mündlicher Überlieferung verknüpft, um textliche und nicht-textliche Formen der Tempellegenden in einem digitalen Korpus zusammenzuführen. Dies erlaubt ein neues Verständnis dieses wichtigen kulturellen Erbes sowohl in seiner historischen Tiefe als auch in seiner gelebten Realität.
Das 2022 eingerichtete Projekt ist auf eine Gesamtlaufzeit von 16 Jahren ausgelegt. Neben der Forschungsstelle in Heidelberg besteht eine Zweigstelle in Pondicherry (Indien) in Kooperation mit der École française d’Extrême-Orient (EFEO).
Tempellegenden (Sanskrit sthalamāhātmya, Tamil talapurāṇam) sind hinduistische Schriften, die die Ursprungsgeschichten von Tempeln und anderen heiligen Orten durch mythologische Narrative erzählen. Eine Vielzahl solcher Texte wurde im Mittelalter und der frühen Neuzeit in der Gelehrtensprache Sanskrit, aber auch in indischen Regionalsprachen verfasst. Als Verbindungsglied zwischen überregionalen und lokalen Traditionen sowie historischem und zeitgenössischem Hinduismus sind Tempellegenden äußerst wertvolle Quellen für die Erforschung indischer Religiosität.
Zugleich existieren Tempellegenden nicht nur als Texte, sondern auch in mündlicher, performativer und materieller Form: sie werden von Mund zu Mund weitererzählt, rituell inszeniert, auf Tempelwände gemalt und zu Skulpturen geformt. Auch für die heute gelebten hinduistischen Traditionen sind diese Narrative von zentraler Bedeutung. Somit bieten Tempellegenden in außergewöhnlicher Weise die Gelegenheit, das Verhältnis von autoritativen Texten und gelebter Praxis sowie zwischen schriftlicher und nichtschriftlicher Überlieferung zu untersuchen.
Relief im Kacchapeśvara-Tempel in Kanchipuram
Im Fokus des Projektes stehen die Tempellegenden der südindischen Stadt Kanchipuram, rund 70 Kilometer westlich von Chennai (Madras) im Bundesstaat Tamil Nadu gelegen. Als eine der sieben heiligen Städte des Hinduismus ist Kanchipuram ein Ort von großer religiöser Bedeutung. Zudem sind mit dem Śivaismus, dem Viṣṇuismus und dem Śaktismus alle drei Hauptrichtungen des Hinduismus in Kanchipuram gleichermaßen stark vertreten. Mit seinen zahlreichen historischen Tempeln und seinen lebendigen religiösen Traditionen ist Kanchipuram ein besonders geeigneter Ort, um Tempellegenden in ihrer Beziehung sowohl zum historischen als auch zum zeitgenössischen Hinduismus zu erforschen.
Kāmākṣī-Ammaṉ-Tempel in Kanchipuram
Ziel des Projektes ist die Erstellung digitaler Editionen samt kommentierter Übersetzungen des gesamten Korpus der Tempellegenden von Kanchipuram. Dieses Korpus umfasst acht umfangreiche Texte auf Sanskrit und in der lokalen Sprache Tamil, die durch das Projekt erschlossen und zugänglich gemacht werden. Die Einbeziehung des gesamten Korpus der Tempellegenden von Kanchipuram erlaubt den Vergleich verschiedener sektarischer Versionen sowie der Parallelversionen auf Sanskrit und Tamil.
Das Editionsprogramm umfasst die Digitalisierung aller verfügbarer Textzeugen (Handschrifen und Drucke), ihre Untersuchung nach historisch-philologischen Prinzipien sowie die Erstellung digitaler Editionen und Übersetzungen. Ziel der Editionen ist nicht die Rekonstruktion eines vermeintlichen Urtextes, sondern die Sichtbarmachung der verschiedenen oft stark divergierenden Versionen, in denen die Texte übermittelt worden sind. Die Ergebnisse werden in Form digitaler Editionen publiziert, die es erlauben, verschiedene Textversionen flexibel zu visualisieren sowie Paralleltexte miteinander zu verknüpfen. Ergänzt werden die Editionen durch englische Übersetzungen der Texte samt umfangreicher Anmerkungen.
Palmblatthandschrift des Hastigirimāhātmya
Neben der Edition der Texte erfasst das Projekt die Tempel, die in den Texten beschrieben werden, sowie materielle, mündliche und performative Versionen der Tempellegenden. Dazu werden die Bauwerke und ihre Ikonographie fotographisch dokumentiert sowie mündliche Nacherzählungen und rituelle Aufführungen der Tempellegenden auf Video aufgenommen. Diese Daten werden mit den Texteditionen verknüpft und schaffen so ein konsolidiertes Korpus, das es erlaubt, in einer digitalen Umgebung auf alle Versionen der Tempellegenden Kanchipurams unabhängig von ihrem Format zuzugreifen.
Rituelle Inszenierung der Hochzeit des Gottes Śiva
Kanchipuram Archive of Narratives and Cultural Heritage Interface (KANCHI) ist die digitale Benutzeroberfläche der Forschungsstelle ‚Hinduistische Tempellegenden in Südindien‘. Sie bietet Zugang zu den durch die Forschungsstelle erstellten digitalen Editionen und Übersetzungen sowie zur Dokumentation der relevanten heiligen Stätten, rituellen Darbietungen und mündlichen Überlieferungen.
KANCHI befindet sich derzeit in Vorbereitung und wird in Kürze online gehen.
Die folgenden digitalen Faksimiles (Bilder und diplomatische Transkriptionen) von historischen Druckausgaben von sthalamāhātmyas von Kanchipuram wurden durch die Forschungsstelle ‚Hinduistische Tempellegenden in Südindien‘ erstellt und in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Heidelberg online veröffentlicht:
Jonas Buchholz
This research project explores the role of Civañāṉa Muṉivar’s Kāñcippurāṇam—the most influential of Kanchipuram’s Tamil talapurāṇams—in shaping the city’s sacred geography. Closely modeled on the Sanskrit Śaiva Kāñcīmāhātmya, the Kāñcippurāṇam portrays Kanchipuram as a city of many temples, recounting the origin stories of nearly one hundred Śiva temples in and around the area. Today, in many of these temples, the Kāñcippurāṇam is cited as an authoritative text that affirms the sanctity of the site. The project investigates how Civañāṉa Muṉivar’s Kāñcippurāṇam has contributed to lived religious culture in Kanchipuram. How has the text shaped the perception of individual temples in Kanchipuram’s religious landscape? Why has the Kāñcippurāṇam, rather than its Sanskrit counterpart, the Śaiva Kāñcīmāhātmya, come to be privileged temple contexts as the primary textual source? Who are the key actors—such as temple priests, local scholars, or devotees—in invoking and transmitting the texts’s authority? By answering these questions, the project offers fresh insights into the function of textual authority in Hinduism and its role in shaping local practices of lived religiosity.
Quotations from the Kāñcippurānam displayed in the Kacchapeśvara temple in Kanchipuram
Dominic Goodall
The doctrines of theological traditions, notably those of the Śaivasiddhānta and the Pāñcarātra, figure in the narratives, as do details of liturgy. This raises questions about changes within those religious schools and about their evolving status in the devotional world of pre-modern Kanchipuram. Dominic Goodall participates in all the various reading sessions devoted to the Tamil and the Sanskrit works about the city’s temples, and he reflects on the relations between the corpus of māhātmyas and prescriptive religious literature, both of the Mantramārga and the Śivadharma corpus.
Veneration of the bull during Pradoṣapūjā at the Sākṣinātha temple in Tiruppurambiyam
Ute Hüsken
Hüsken studies the contemporary ritual enactments of māhātmya narratives, focusing on the dynamic nature of ritual performances and on ritual's potential not only to re-enact mythological themes but also to negotiate and shape cultural, social, and political realities. Her main foci are Kanchipuram's Viṣṇu temples, their internal dynamics, and their relationship to each other.
Reading of the Hastigirimāhātmya during the Pallavotsava festival
Paras Mehta
In our observation of the Kāñcīsthānamāhātmya thus far, it is found that it has distinct influences of the great poet Kālidāsa's works, specifically of the Kumārasambhava. Demonstration of such influence in the Kāñcīsthānamāhātmya will establish it as unique among other Sanskrit Māhātmya texts, which are typically not highly poetic. It will also be interesting to investigate whether the influence of the works of other Sanskrit poets such as Bhāravi, Māgha, and Bāṇa is also present in the Kāñcīsthānamāhātmya.
Pārvatī's austerity, relief in the Ekāmranātha temple in Kanchipuram
Vigneshwaran Muralidaran
This study investigates the influence of the Kamparāmāyaṇam on Kacciyappa Muṉivar's Kāñcippurāṇam, with particular attention to its adherence to classical Tamil poetic conventions, such as those outlined in the Taṇṭiyalaṅkāram. Beyond following the standard rhetorical prescriptions, Kacciyappa Muṉivar's Kāñcippurāṇam frequently mirrors the content and imagery of the Kamparāmāyaṇam so closely that it invites a deeper investigation. This study aims to analyze select verses from Kacciyappa Muṉivar's Kāñcippurāṇam and highlight their parallels with the Kamparāmāyaṇam. By examining these verses, we will demonstrate how Kacciyappa Muṉivar draws from the Kamparāmāyaṇam in shaping his own narrative and poetic framework, aligning his work with the ideals of a mahākāvya as prescribed by the Tamil literary tradition.
Covering the Sacred Eyes of Śiva, relief in the Ekāmbaranātha temple in Kanchipuram
Aneesh Raghavan
There are several textual and inscriptional references to the land of Kalinga (present-day Odisha) and the city of Kanchipuram from the late classical age, found in both these ancient Odia and Tamil regions, which are situated more than a thousand miles away from each other. Yet, it is supposedly a fifteenth-century Odia text titled Kāñcikabericarita that sows the seed for a strong cultural association with Kanchipuram, which remains stamped in the cultural ethos of Odisha to this very day. The legend of the alliance and war between the king of Puri and the king of Kanchipuram, the consequent presence of the famous Kāñcī-Gaṇeśa in the Jagannath temple at Puri are part of household cultural heritage in Odisha, that find their origins in the Kāñcikābericarita of Puruśottama Dāsa (1550-1600 CE), who refers to this work as the “Kāñcipurāṇa”. It was also during the same time that several Sanskrit māhātmya texts, such as the Kapilasaṃhitā and Ekāmrapurāṇa, were composed in Odisha. These texts share striking similarities with texts connected to Kanchipuram, as they speak of Ekāmreśvara (Shiva under a mango tree) as the presiding deity, just as in the case of the Kāñcimāhātmya of Śaiva affiliation. This study will, therefore, explore the explicit and implicit connections between these two ancient settlements by reassessing Puranic narratives in the light of historical findings, with a special focus on the stories of wars and alliances that appear in the legend of the Kāñcikābericarita.
Puri Jagannātha with his siblings painted on the wall at the Varadarāja Perumāḷ temple in Kanchipuram
T. Rajarethinam
This research explores the origins and lineage of Kaccālaiyar, the author of the Kāñcippurāṇam. The 1983 edition by S.K. Ramarajan lacks information about the author, and sparks interest in the search of his descendants who are supposedly in Pillaiyar Palayam, Kanchipuram, and whose street is called ‘Tēcikar Vīti’ by the locals. Kaccālaiyar’s family maintains a close connection to the Kaccapēsvarar Temple and has published the Kaccapēsvarar Pāmālai, a book of verses by Muthukumārasāmy Tēcikar, Kaccālaiyar’s son. Kāñci. Civa. Catācivam, a descendant of Kaccālaiyar, documented the family’s history in the book's introduction. The Senguntha Mudaliyar community, to which Kaccālaiyar belonged, historically managed the Kaccapēsvarar Temple. Kaccālaiyar’s father, Sachidananda Desikar, held the spiritual title “Desikar,” signifying a householder’s scholarly and spiritual role. Historical evidence, such as a verse referring to the 1877 famine, suggests that Kaccālaiyar lived around 1740. His lineage includes notable descendants, such as Siva. Sadasivam and Mr. Saravana Arumugam, who currently reside in Kanchipuram.
Sivasamy Tesikar (1896-1975), the last Tesikar in the lineage of Kaccālaiyar
Babu N. Ramaswamy and K. Vijayavenugopal
Within the framework of the ERC-funded Dharma project (ERC n ° 809994), K. Vijayavenugopal and Babu N. Ramaswamy will locate, record, transcribe, and translate into Tamil and English the inscriptions of Kanchipuram’s Vaiṣṇava temples. These have been referred to and some have been recorded, but only a few are given in detail in the existing literature. Importantly, often their precise location within the temple remains unclear. The analysis will provide insights into the relation of these (often donative) inscriptions and the māhātmya literature, thereby giving not only clues as to the relative age of the texts and of the narratives that are contained in them but also insights into the shifting patterns of patronage over time.
Babu N. Ramaswamy and K. Vijayavenugopal documenting an inscription in the Yathoktakārī temple
Vishnupriya Srinivasan
Chapter 14 of the Kāmākṣīvilāsa describes the primary legends associated with the Kāmākṣī Temple, the origin of the different images (mūrtis) of Kāmākṣī, and the rituals, particularly the worship of the Śrī Cakra within the temple’s sanctum sanctorum. The Kāmākṣīvilāsa assumes that readers are already familiar with the underlying legends and the Śrī Vidyā tradition, offering only partial insights through its verses. Vishnupriya Srinivasan proposes to bridge this gap by offering a complete understanding of the legends, the metaphysical significance of the mūrtis, and the worship practices described in Chapter 14 of the Kāmākṣīvilāsa. This will require integrating insights from the Kāmākṣīvilāsa with the Saubhāgyacintāmaṇi, the current ritual manual of the temple, and the Lalitopākhyāna. By aligning these texts, she will provide a thorough analysis of the rituals and their metaphysical underpinnings. Additionally, she will investigate contemporary temple practices by gathering data from temple priests and other sources. This comparative analysis will help to contextualize the ancient descriptions within the framework of current rituals, offering a richer understanding of the temple’s traditions and their evolution over time.
Procession of Goddess Kāmākṣī
Vishnupriya Srinivasan and SAS Sarma
This study aims to create an accessible and comprehensive resource that links the Saubhāgyacintāmaṇi ritual manual with the ritual practices of the Kāmākṣī temple. By focusing on the chapter dedicated to festivals, the researchers will offer a simplified translation of the text, supplemented with detailed notes to enhance understanding. To enrich the textual content, Vishnupriya Srinivasan and SAS Sarma will incorporate photographs and video clips of the referenced events. For instance, when the text discusses specific rituals like bherītāḍana, corresponding images and video clips from an existing collection will be included. This approach not only facilitates a deeper engagement with the manual's content but also effectively utilizes valuable multimedia resources, bridging traditional textual study with digital tools.
Bheritāḍana at the Kāmākṣī temple
Yunheng Xu
This research project primarily focuses on the inscriptions of the Ulakaḷanta Perumāḷ Temple in Kanchipuram. These materials, namely the “Madras Museum Plates of Uttama Chola” and more than 20 stone inscriptions, will be re-read and reinterpreted, taking into account new research in Tamil Epigraphy in the context of digital humanities. In addition, the research takes into consideration literary sources on the temple including devotional poetry and the Māhātmyas. The study thus investigates the interplay of donative activities and religious beliefs concerning the temple from the 10th to the 14th century, so as to explore the intertextuality among epigraphical, literary, and mythological narratives.
Madras Museum Plates of Uttama-Chola, South Indian Inscriptions vol. 3 part 3 no. 128.
Abteilung Kultur- und Religionsgeschichte Südasiens, Südasien-Institut (SAI), Universität Heidelberg
École française d’Extrême-Orient (EFEO), Pondicherry
Forschungsstelle ‚Heidelberger Editionen und Texterschließung‘ (HEDIT)
DHARMA-Projekt (ERC n° 809994)
FID4SA: Fachinformationsinstitut Südasien
Institut Français de Pondichéry (IFP)
National Mission for Manuscripts
PURANA-Projekt (ERC n° 101054849)
Religions- und rechtsgeschichtliche Quellen des vormodernen Nepal (HAdW)
Am 17. und 18. Februar 2025 fand an der École française d'Extrême-Orient (EFEO) Pondicherry ein intensives Arbeitstreffen der Teammitglieder der Forschungsstelle „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ statt. Die Teilnehmer diskutierten verschiedene Themen im Zusammenhang mit den Tempeln in Kanchipuram aus der Perspektive der jeweiligen Texte, auf die sie spezialisiert sind. Das Treffen in Pondicherry endete mit einer zweitägigen Exkursion nach Kanchipuram, um die Heiligtümer in und um den Kachapeswarar-Tempel zu besuchen. An dem Arbeitstreffen und der Feldforschung nahmen Jonas Buchholz, Paras Mehta, T. Rajarethinam, Vigneshwaran Muralidaran, S. Ramesh und Aneesh Raghavan teil.
Arbeitstreffen an der EFEO (Pondicherry)
Ein Kurzportrait der Forschungsstelle ist auf dem YouTube-Kanal der Heidelberger Akademie der Wissenschaften in einer deutsch/englischen sowie einer tamilischsprachigen Version verfügbar:

Kurzportrait deutsch/englisch (externer Link, YouTube)

Am 7. und 8. November 2024 fand an der Universitätsbibliothek Heidelberg ein vom Fachinformationsdienst Südasien (FID4SA) organisierter Workshop zum Thema „Forschungsdaten in der Südasienforschung“ statt. Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahmen an dem Workshop teil und diskutierten über aktuelle Themen im Zusammenhang mit Forschungsdaten. Dazu gehören die Definition von Forschungsdaten, Datenstandards, infrastrukturelle Fragen, die Langzeitarchivierung von Forschungsdaten und die damit verbundenen rechtlichen Aspekte. Für die Forschungsstelle „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ stellten Frank Grieshaber und Liudmila Olalde den Forschungsdatenmanagementplan des Projekts vor.
Am 6. November nahmen Prof. Dr. Ute Hüsken und Dr. Aneesh Raghavan am Akademientag 2024 in Berlin teil. Entsprechend dem Thema „In Städten gesund leben – in gesunden Städten leben“ stellten sie die Forschungsstelle „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ vor, wobei der Schwerpunkt auf Sthalavṛkṣas (Tempelbäumen) und Tīrthas (heiligen Gewässern) lag. Prof. Hüsken berichtete der Presse und der den versammelten Teilnehmenden kurz über das Projekt. Der Stand des Projekts wurde von zahlreichen Teilnehmenden besucht, darunter auch vom Präsidenten der Union der Deutschen Akademie der Wissenschaften.
Dr. Aneesh Raghavan im Gespräch mit einem Teilnehmer des Akademientages
Die 52. Annual Conference on South Asia fand vom 30. Oktober bis 2. November 2024 an der University of Madison (Wisconsin), USA, statt. Im Rahmen des Panels „South Asian Sacred Sites: Connections and Intersections“ hielten Mitglieder der Forschungsstelle „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ drei Vorträge. Dr. Aneesh Raghavan präsentierte zum Thema „Beyond the Palar: Investigating Three Temples Mentioned in the Kāncīmāhātmyam“. Es folgte ein Vortrag von Dr. Jonas Buchholz mit dem Titel „Pāṭal-peṟṟa-stalams and Sthalapurāṇas in Kanchipuram“. Schließlich hielt Prof. Dr. Ute Hüsken einen Vortrag zum Thema „Stepbrothers and Disowned Sisters: Connections Beyond the Texts“.
v. l. n. r.: Ute Hüsken, Jonas Buchholz und Aneesh Raghavan
Am 8. September 2024 fand der Tag des offenen Denkmals statt, an dem sich die Heidelberg Akademie der Wissenschaften u.a. mit einer Ausstellung zu den Forschungsstellen beteiligte. Für die Forschungsstelle Hinduistische Tempellegenden (HTL) waren Sowndarya Sriman und Malini Ambach vor Ort, um mit interessierten Besucher*innen zu unserer Forschung ins Gespräch zu kommen.
Stand von HTL beim Tag des offenen Denkmals 2024
Der April/Mai 2024 war von zwei Wochen mit intensiven Projektaktivitäten geprägt. Zu diesem Zweck reiste das Projektteam aus Pondicherry (Dominic Goodall, S.A.S. Sarma, K. Nachimuthu, T. Rajarethinam, Vigneshwaran Muralidaran, Vishnupriya Srinivasan) nach Heidelberg. Zunächst fand vom 29. April bis 3. Mai ein projektinterner Workshop statt, bei dem die Mitarbeitenden der beiden Teams aus Heidelberg und Pondicherry den Stand ihrer Arbeit vorstellten und die weiteren Schritte planten. Es folgten die Sitzung der projektbegleitenden Kommission am 6. Mai sowie eine von der Forschungsstelle veranstaltete Konferenz an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften am 7. und 8. Mai. Bei der Konferenz präsentierten die Mitarbeitenden des Projekts Forschungsthemen, die sich aus ihrer laufenden Arbeit zu den Tempellegenden von Kanchipuram ergeben. Ergänzt wurde dies durch Vorträge zu verwandten Themen durch eingeladene externe Teilnehmer:innen. Der Termin im Anschluss an die Kommissionssitzung ermöglichte es den nach Heidelberg angereisten Kommissionsmitgliedern, an der Konferenz teilzunehmen und sich so noch intensiver mit den Mitgliedern der Forschungsstelle auszutauschen.
Teilnehmer:innen der Konferenz vor der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Am 14. März 2024 besuchte Prof. Dr. Ute Hüsken die National Mission for Manuscripts in Neu-Delhi um gemeinsam mit deren Direktor, Dr. Anirban Dash, die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) zwischen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der National Manuscript Mission vorzubereiten. Am 25. März trat das MoU mit der Unterzeichnung durch den Präsidenten der Akademie, Prof. Dr. Hans-Georg Kräusslich, in Kraft. Die National Mission for Manuscripts hat es sich zum Ziel gesetzt, den riesigen Manuskriptschatz Indiens aufzuspüren und zu bewahren. Dazu unterhält sie einen ständig wachsenden Online-Katalog von Manuskripten auf ihrer Website. Das MoU sieht eine Zusammenarbeit zwischen der Forschungsstelle „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ und der National Mission for Manuscripts vor, welche unter anderem den Austausch von Forschenden und die gemeinsame Erschließung von Manuskripten ermöglicht.
Prof. Dr. Ute Hüsken besucht die National Mission for Manuscripts
Entsprechend einer Vereinbarung zwischen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und dem Institut Français de Pondichéry (IFP) hat das Projektteam in Pondicherry (Fotograf M. Ramesh, koordiniert durch S.A.S. Sarma) im März 2024 die Digitalisierung von drei wertvollen Druckwerken aus der Bibliothek des IFP abgeschlossen. Ein weiterer Druck aus der Kölner Sammlung von Grantha- und Telugu-Drucken wurde bereits im Oktober 2023 auf Anfrage der Forschungsstelle freundlicherweise durch die Universitäts- und Stadtbibliothek zu Köln digitalisiert. Es handelt sich um historische Druckausgaben von auf Sanskrit verfassten Tempellegenden von Kanchipuram (Vaiṣṇava-Kāñcīmāhātmya, Śaiva-Kāñcīmāhātmya, Kāmākṣīvilāsa und Hastigirimāhātmya), die derzeit durch die Mitarbeiter:innen der Forschungsstelle neu ediert werden.Durch die Herstellung von hochqualitativen Digitalisaten werden diese sehr seltenen Druckwerke (Druckjahre 1889, 1898 und 1907) bewahrt. In einem weiteren Schritt sollen die Digitalisate gemeinsam mit Transkriptionen der historischen Druckausgaben online gestellt werden. Hierdurch werden die bislang nur schwer zugänglichen Texte bis zur Fertigstellung der neuen digitalen Editionen bereits provisorisch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Titelblatt der Ausgabe des Śaiva-Kāñcīmāhātmya von 1889
Das Akademieprojekt „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ wurde von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zum Projekt des Monats März 2024 gewählt. Die Vorstellung auf den Websites des Bundesministerums für Forschung und Bildung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gibt einen Einblick in die Arbeit der Forschungsstelle:
Vom 16. bis 27. Oktober 2023 veranstaltete die Forschungsstelle einen projekt-interner Workshop zu "Digital Humanities Methods". Die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen T. Rajarethinam, Vigneshwaran Muralidaran und Vishnupriya Srinivasan der Zweigstelle in Pondicherry reisten dazu nach Heidelberg, um mit dem dortigen Team zu arbeiten.
In einem intensiven Austausch wurden die im Projekt umzusetzenden Methoden im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities) diskutiert und eine Basis geschaffen, um die fortschreitenden und zunehmend vernetzten Arbeitsprozesse voranzutreiben.
Gruppenbild des Teams
Am 18. Juli 2023 hielt die Leiterin der Forschungsstelle Prof. Dr. Ute Hüsken im Rahmen der Vortragsreihe „Wir forschen. Für Sie“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften einen Vortrag mit dem Titel „Wie Götter heiraten: Tempelrituale im südindischen Hinduismus“.
Am Beispiel der Hochzeit zweier Götter wurde die besondere Nähe der Menschen- und Götterwelt in der südindischen Tempelstadt Kanchipuram beleuchtet. Der Vortrag ging darauf ein, wie vielfältig dabei die zugrundeliegenden Erzählungen durch Texte in Tamil und Sanskrit, Tempelarchitektur und mündlichen Erzählungen überliefert wurden. So konnte einer breiteren Öffentlichkeit eine Gelegenheit zum Austausch und ein Einblick in die Arbeit der Forschungsstelle gegeben werden.
Göttliches und menschliches Brautpaar im Ekāmranātha-Tempel
Am 25. 3. 2023 besuchte Generalkonsulin Michaela Küchler mit einer elfköpfigen Delegation von Entsandten das Akademieprojekt in Kanchipuram. Dort wurden sie von Prof. Dr. Ute Hüsken, Dr. Dominic Goodall und ihrem Team empfangen und anhand zweier shivaitischer Tempel in die Ziele und Methoden des Projekts „Hinduistische Tempellegenden in Kanchipuram” eingeführt. Die Gruppe reiste schon früh an und besuchte zunächst den Kailasanatha-Tempel aus der Pallava Zeit (6./7. Jhd. n. Chr.). Die exquisiten Skulpturen und Inschriften dort boten reichlich Gelegenheit, sowohl das lokale shivaitische Legendenmaterial als die Geschichte des Tempels zu erläutern. Nach einer Pause, die Hüsken für Ausführungen zur zeitgenössischen südindischen Tempelkultur nutzte, konnte sich die Delegation im großen Ekambaranatha-Tempel einen konkreten Einblick in diverse Facetten dieser wichtigen gelebten hinduistischen Ritualtradition verschaffen.
Dr. Goodall erklärt das ikonographische Programm des Kailasanatha-Tempels
Zwischen dem 27. 2. und 3. 3. 2023 veranstaltete das Projekt „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ an der indischen Zweigstelle des Projekts, der École française d'Extrême-Orient (EFEO), in Pondicherry einen Workshop mit anschließender Exkursion nach Kanchipuram. An dem Workshop nahmen das deutsche und das indische Projektteam sowie internationale Wissenschaftler:innen teil.
Im Fokus des Workshops stand der Yathoktakari-Perumal-Tempel, einer der wichtigsten Vishnu-Tempel in Kanchipuram. Die ersten drei Tage des Workshops dienten der gemeinsamen Lektüre und Analyse der verschiedenen Versionen der Ursprungsgeschichte des Tempels, die in den auf Sanskrit und Tamil verfassten Tempellegenden Kanchipurams überliefert sind. An den nächsten beiden Tagen wurden der Yathoktakari-Perumal-Tempel und andere relevante Orte in und um Kanchipuram besucht, um zu untersuchen, wie die in den Texten überlieferten Narrative vor Ort repräsentiert werden. Der Workshop demonstrierte damit den Ansatz des Projektes, die verschiedenen Texte sowie die Texte und die Orte, die in ihnen beschrieben werden, miteinander in Dialog treten zu lassen.
Teilnehmer:innen der Exkursion nach Kanchipuram
Am 19. 1. 2023 wurde der von Malini Ambach, Jonas Buchholz und Ute Hüsken herausgegebene Sammelband Temples, Texts, and Networks: South Indian Perspectives im Podcast New Books in Indian Religions vorgestellt. Ute Hüsken und Jonas Buchholz traten in dem Podcast auf und wurden von dem Moderator Raj Balkaran zu dem im Oktober 2022 bei Heidelberg Asian Studies Publishing (HASP) erschienenen Sammelband interviewt.
Im Newsletter der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften erschien im Januar 2023 im Rahmen der Reihe „Kurz nachgefragt...“ ein Interview mit Prof. Dr. Ute Hüsken und Dr. Jonas Buchholz. In dem Interview stellen Prof. Hüsken und Dr. Buchholz das neu angelaufene Projekt „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ vor und beantworten Fragen zu den Forschungsgegenständen sowie zur Zusammenarbeit mit der indischen Zweigstelle des Projekts.
Am 2. 11. 2022 besuchte der indische Generalkonsul in München, Mohit Yadav, gemeinsam mit dem Kulturattaché Kailash Bhatt das Südasien-Institut, um sich vor Ort über das neu eingerichtete Akademieprojekt „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ zu informieren. Nach einer Begrüßung durch die Direktorin des Südasien-Insituts Prof. Kama Maclean führte der Seniorprofessor und ehemaliger Sekretar der Akademie Prof. Axel Michaels die eigens aus München angereiste Delegation in das Akademienprogramm ein. Es folgte eine 45-minütige Präsentation des Projekts durch Dr. Jonas Buchholz und die Projektleiterin Prof. Ute Hüsken. Der Generalkonsul zeigte sich sehr beeindruckt und war insbesondere an den digitalen Aspekten sowie den Kooperationen mit indischen Institutionen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern interessiert.
Generalkonsul Mohit Yadav und Prof. Ute Hüsken
Ambach, Malini, Buchholz, Jonas und Hüsken, Ute (Hrsg.): Temples, Texts, and Networks: South Indian Perspectives, Heidelberg: Heidelberg Asian Studies Publishing, 2022. https://doi.org/10.11588/hasp.906
Der von Malini Ambach, Jonas Buchholz und Ute Hüsken herausgegebene Sammelband Temples, Texts, and Networks: South Indian Perspectives ist am 20. 10. 2022 bei Heidelberg Asian Studies Publishing erschienen. Das Buch ist als PDF online frei verfügbar sowie als Druckausgabe im Buchhandel erhältlich. Der Sammelband enthält neben den Beiträgen der Projektmitglieder weitere Beiträge von internationalen Wissenschaftler*innen, die sich mit Tempellegenden als Textgattung sowie mit den Netzwerken zwischen einzelnen Hindu-Tempeln beschäftigen.
HASP (CC BY-NC-ND 4.0)
Vom 10. bis 14. 10. 2022 veranstaltete das Projekt „Hinduistische Tempellegenden in Südindien“ einen Eröffnungsworkshop an der École française d'Extrême-Orient (EFEO) in Pondicherry, wo die indische Zweigstelle des Projekts angesiedelt ist. Ute Hüsken, Jonas Buchholz und Liudmila Olalde reisten zu diesem Zweck nach Indien. Der Workshop diente dem Austausch zwischen dem deutschen und dem indischen Projektteam und der Etablierung von Abläufen in der Zusammenarbeit zwischen der Arbeitsstelle in Heidelberg und der Zweigstelle in Pondicherry.
Treffen des deutschen und indischen Teams an der EFEO Pondicherry
Prof. Dr. Ute Hüsken
Südasien-Institut (SAI)
Voßstraße 2, Gebäude 4130 | Raum 130.02.15
69115 Heidelberg
Telefon: +49 (0) 6221 54 15261
E-Mail: huesken@uni-heidelberg.de
Karl-Jaspers Center (KJC)
Voßstraße 2, Gebäude 4400 | Raum 004/005
69115 Heidelberg
Telefon: +49 (0) 6221 54 4095
E-Mail: htl@hadw-bw.de
École française d’Extrême-Orient (EFEO)
16-19 Dumas Street
605 001 Pondicherry
Indien
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E-Mail: administration@efeo-pondicherry.org
Dr. Jonas Buchholz